12.07.2017 - 17:02 Uhr
RegensburgOberpfalz

Das Historische Museum Regensburg erinnert an Michael Ostendorfer Gewagte Präsentation eines Vergessenen

"Mal ganz ehrlich? Kennen Sie Michael Ostendorfer?" Der Begleittext zur aktuellen Ausstellung im Historischen Museum Regensburg thematisiert den mangelnden Bekanntheitsgrad des Protagonisten noch recht sachte. Deutlichere - fiktive - Worte nimmt dagegen gleich zu Beginn der Schau Martin Luther in den Mund.

Poppig präsentiert ist die Ausstellung "Michael Ostendorfer und die Reformation in Regensburg" im Historischen Museum der Stadt. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

"Who the f(xxx) ist Ostendorfer", tönt es da mittels einer Sprechblase aus dem Munde des Reformators. Hoppla, da wurde ein ehrwürdiges Thema mal recht mutig aufgearbeitet. Mutig weil poppig. Denn die Ausstellung "Michael Ostendorfer und die Reformation in Regensburg" präsentiert nicht nur Gemälde aus der Zeit der Renaissance in ihrem historischen Kontext - Michael Ostendorfer (um 1494 bis 1559) nämlich, so viel sei vorweggenommen, war ein Zeitgenosse Albrecht Altdorfers und steht heute in dessen Schatten. Nein, diese Ausstellung rockt. Sehr gewagt, aber gelungen.

An den großformatigen, schreiend bunten Infoflächen kommt so leicht keiner vorbei. Die dargestellten Zeitgenossen Michael Ostendorfers, die hier trocken-flapsig ihre Kommentare abgeben, könnte man mit Werken Andy Warhols vergleichen. Wenn dies nicht schon wieder ein Schlag wäre gegen Michael Ostendorfer.

Gegen einen Künstler also, dessen Schicksal es selbst epochenübergreifend zu sein scheint, stets an zweiter Stelle genannt zu werden. Vielleicht liegt das daran, dass Ostendorfer künstlerisch keinen eigenen unverkennbaren Stil entwickelt hat, wie es die Forschung empfindet. Oder daran, dass er auch als Mensch die Sympathien nicht unbedingt auf seiner Seite hatte.

Motzendes Männchen

Streit mit Nachbarn war bei Michael Ostendorfer an der Tagesordnung, Trinkgelage auch - und die ständige Unsicherheit eines Malers, der durch Auftragsarbeiten eine Familie ernähren muss, sowieso. All dies erfährt man in der aktuellen Ausstellung im Historischen Museum. Michael Ostendorfer begleitet den Besucher dort als stets motzendes Männchen durch sein Leben und Werk. Im Kontrast zu diesen poppigen Infobereichen stehen die eigentlichen Ausstellungsexponate.

Dabei handelt es sich um hochkarätige Werke der Renaissance. Arbeiten Ostendorfers werden ergänzt durch die Werke von Zeitgenossen. Ostendorfers Bilder zeigen Christus am Kreuz, Batseba im Bade, aber auch etliche von dem Künstler individuell charakterisierte Porträts. Eine der zahlreichen Leihgaben der Ausstellung ist das Porträt Martin Luthers von Lukas Cranach d.Ä.

Das diesjährige Jubiläum "500 Jahre Reformation" - am 31. Oktober 1517 schlug Luther seine Thesen an das Portal der Wittenberger Schlosskirche - ist auch der Anlass der Ausstellung im Historischen Museum. Die Schau gehört zum Motto "Stadt und Glaube", das sich das Regensburger Kulturreferat für dieses Jahr auf die Fahnen geschrieben hat.

Legitime Frage

Michael Ostendorfer soll dabei als fast vergessener, aber dennoch bedeutender Künstler in den Blickpunkt gerückt werden. Natürlich mit besonderer Berücksichtigung der zeitlichen Begebenheiten. Ein Exponat steht dabei am deutlichsten für das Leben des Künstlers in einer unruhigen Epoche: Vom Rat der mittlerweile protestantischen Stadt Regensburg wurde Michael Ostendorfer im Jahre 1554 der Altar für die Neupfarrkirche in Auftrag gegeben. Also für die damals erste Kirche des Protestantismus in Regensburg. Deutlich zeigt dieses Herzstück der aktuellen Ausstellung das Können und die Erzählfreude des Künstlers.

Doch wie so oft: Auch hier hatte er Pech. Der von ihm gestaltete Altar visualisierte ein Konzept protestantischer Ideen, das später in dieser Form nicht umgesetzt wurde. Michael Ostendorfers Altar verschwand daher alsbald in der Versenkung. Dem Künstler selbst erging es ähnlich. Die Frage scheint also heute durchaus legitim: "Mal ganz ehrlich? Kennen Sie Michael Ostendorfer?"

Die Ausstellung "Michael Ostendorfer und die Reformation in Regensburg" läuft bis Sonntag, 5. November, im Historischen Museum (Dachauplatz 2-4, Regensburg). Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

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