28.09.2009 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Das Stadttheater Regensburg startet mit Puccini-Oper "Tosca" in die Herbstsaison Brave Inszenierung, bravouröse Leistungen

von Stefan RimekProfil

Giacomo Puccinis Oper "Tosca" ist eine der emotional berührendsten Musiktheatertragödien überhaupt. Daher war es vom Theater Regensburg durchaus eine gute Wahl, dieses gewichtige Werk zur Eröffnung der neuen Spielzeit im Theater am Bismarckplatz auf den Spielplan zu setzen.

Allerdings sollte eine Neuinszenierung das große dramatische Potenzial, das in diesem Musiktheaterwerk zweifelsohne steckt, auch in gebührender Weise umsetzen - und das ist Regisseur Reto Nickler nicht in wirklich packender Art gelungen. Zusammen mit dem Bühnen- und Kostümbildner Karel Spanhak schuf Nickler eine Produktion, welche die ursprünglich im Jahr 1800 in Rom angesiedelte Handlung scheinbar in das faschistische Italien des 20. Jahrhundert versetzt, was zumindest die Kostüme sowie die Uniformen von Scarpias Schergen andeuten. Im Grunde wäre das ja keine schlechte, wenngleich auch wirklich nicht neue Idee. Aber konsequent umgesetzt ist hier eine zeitgenössischere Inszenierung dann doch nicht.

Kaum zündende Einfälle


Insgesamt sucht man in dieser recht konservativ - um nicht zu sagen brav - angelegten Inszenierung zündende Einfälle, die den Theaterbesucher wirklich in ihren Bann ziehen können, vergebens. Man hat oft das Gefühl eines Déjà-vu-Erlebnisses in Bezug auf diese oder jene Geste, dieses oder jenes Requisit oder Möbelstück. Dass Cavaradossi nach der Folter nur einen Blutspritzer aufweist und sein Hemd unbeschädigt ist oder dass Scarpia überhaupt kein sichtbares Blut verliert, als er erstochen wird, unterstützt die Dramatik nicht gerade optimal. Und der Schluss, als Spoletta und seine Leute schon abdrehen bevor sich Tosca von der Engelsburg stürzt, weist eine nur schwer nachvollziehbare Logik auf.

Für die insgesamt nicht über ein Mittelmaß hinausragende Inszenierung entschädigen die hervorragenden Leistungen der Bühnenakteure. Enrico Lee konnte an diesem Premierenabend als Mario Cavaradossi mit Bühnenpräsenz und viel Durchsetzungsvermögen gegenüber dem Orchester begeistern, und Adam Kruzel stand ihm als Scarpia in dieser Hinsicht nicht nach. Sehr überzeugend gestaltete auch Victoria Safronova die Titelrolle der Tosca. Ihre stimmlich Kraft paarte sich mit einem sensiblen Gespür für dynamische Nuancen. Aber auch alle anderen Bühnenakteure, inklusive der von Christoph Heil einstudierten Chöre, verdienen Lob. Das Orchester fand unter der Führung des neuen Generalmusikdirektors Tetsuro Ban durchwegs die angemessenen Tempi, reagierte filigran in Bezug auf die dynamischen Schattierungen und stellte schön die Spannungsbögen heraus.

Der Schlussapplaus war zurecht für die Inszenierung verhalten und für die Bühnenakteure sowie das Orchester intensiv.

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