07.02.2018 - 20:00 Uhr
Regensburg

Das Tschaikowsky Symphonieorchester unter Vladimir Fedosejev und der Pianist Alexander Malofeev ... Russlands Musikkultur leuchtet

Sind sie vor den Schneemassen, vor den langen kalten Moskauer Nächten ins Audimax geflüchtet? Die "Odeon Concerte" haben gut vorheizen lassen, das Tschaikowsky-Symphonieorchester-Moskau unter Vladimir Fedosejev mit dem Pianisten Alexander Malofeev legt noch eine Extra-Schippe drauf.

Der gerade mal 16 Jahre alte Pianist Alexander Malofeev begeistert bei den "Odeon Concerten" in Regensburg mit erstaunlicher Reife. Bild: exb
von Peter K. DonhauserProfil

Russisches Seelenleben

Zum Warmwerden geht es erst einmal voller Energie und Schwung durch die Tonleiter-Pisten der Ouvertüre zu "Ruslan und Ludmilla" von Michael Glinka, sie werden mehr mit weichem Pinsel gemalt als mit spitzem Stift skizziert. Schon hier zeigt sich: Vladimir Fedosejev (86, Respekt!) ist ein Dirigent "alter Schule", seit 1974 prägt er das Orchester. Er liebt einen kompakten, erdigen Klang, geradlinig, geradezu blockhaft stellt er die Themen in den Raum. Eine filigrane Modellierung der Motive, eine bis in den hintersten Winkel ausgeleuchtete Transparenz, subtilste Klangfinessen, wie man sie beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons erleben durfte, sind nicht seine vorrangigen Ziele.

Achtung, Talent!

Weiter geht es mit Tschaikowskys unkonventionell gestricktem Klavierkonzert Nr. 2 G-Dur op. 44. Hier schlägt die große Stunde des blutjungen Pianisten Alexander Malofeev. Woher nimmt dieser schlaksige, semmelblonde 16-jährige Bursche die eruptive Kraft für die Eingangsakkorde? Seine Kondition wird ihn den ganzen Abend nicht im Stich lassen. Mit geradezu pubertär aufblitzendem Furor meißelt er Repetitionen und Oktavgänge in die Tasten.

Bei der letzten Kadenz im 1. Satz spürt er auch dämonische Momente der Partitur auf. Im langsamen Satz - kompositorisch fast eine Themaverfehlung, Klaviertrio statt Klavierkonzert - musiziert er kammermusikalisch gewandt mit der Sologeige (sie klingt füllig wie eine Bratsche) und dem sonoren Solocello. Bei den lyrischen Passagen findet Malofeev zu einem erstaunlich reifen poetisch-frei erzählenden Ton. Welch eine Verantwortung, sein musikalisches Potenzial, den intellektuellen Horizont, die Persönlichkeit weiter zu entwickeln ohne ihn im Musik-Betrieb vorzeitig zu verschleißen! Standing Ovations, Zugabe.

Nach der Pause Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung", der Klavierzyklus in der Orchesterfassung von Maurice Ravel. Die Musiker spielen sie, wie zu erwarten, mit routinierter Sicherheit. Man kennt die Musik, man kennt die Unschärfen des teilweise sehr fahrigen Dirigats vom Chef am Pult. Zum Ende der Bilderreise durchschreiten alle mit Pomp und Triumph das große Tor von Kiew. Als zweite Zugabe ein mit berückend hintergründiger Delikatesse gespielter Walzer.

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