15.01.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Der Kunstverein GRAZ zeigt die erste Retrospektive des international erfolgreichen Malers ... Ein Künstler geht von Weiden in die Welt

von Susanne WolkeProfil

Wenn man Künstler ist und noch dazu ein Unruhestifter, dann gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten: Entweder man wird verrückt oder erfolgreich. Jürgen Huber hat den zweiten Weg eingeschlagen. Er lebt als freischaffender Künstler: seit 22 Jahren und - wohlgemerkt - ohne Nebenjob. Der Kunstverein GRAZ in Regensburg zeigt nun die erste Retrospektive des aus Weiden stammenden Malers, der auch durch seine kulturpolitischen Aktivitäten bekannt wurde. "22 Lichtjahre von hier" lautet der Titel der Schau, die bis zum 4. Februar in der Ladehofstraße 20 zu sehen ist.

Nachdem die Bilder Jürgen Hubers bisher in mehr als 80 Ausstellungen gezeigt wurden - unter anderem in Österreich, Italien, Polen, den USA und Äthiopien -, präsentiert Regensburg jetzt erstmals einen Einblick in das gesamte Schaffen des Malers.

Zu sehen sind Gemälde aus den Jahren 1985 bis 2007: abstrakte Darstellungen, die teilweise die Grenze zur Gegenstandslosigkeit überschreiten, aber auch Porträts und Fantasiewesen. Die Farben sind oft bunt und voller Leuchtkraft, dann wieder düster und bedrohlich.

Experimente - das ist für Jürgen Huber auch das bewusste Aufgreifen verschiedener Stilrichtungen. In der Anfangszeit waren es vor allem die Künstlergruppen COBRA und SPUR, die ihn beeinflussten, später auch andere Vertreter des Neoexpressionismus. "Das Expressive ist für mich der Einsatz einer Strategie", äußert sich Huber hierzu. "Wenn ich expressiv male, dann ist das wie eine Rolle, die ich annehme. Ich interpretiere den Expressionismus für mich, wie wenn ein Schauspieler ,Macbeth' für sich interpretiert." Ein wohlüberlegtes Kalkül also. "Ich überlege mir eine Malstrategie", bestätigt Huber. "Ich bin kein Bauchmaler - auch wenn meine Bilder für viele so aussehen, als seien sie aus dem Bauch heraus entstanden."

Die Malerei ist der eine Aspekt im Schaffen Jürgen Hubers. Doch der 52-Jährige hat sich nicht nur als bildender Künstler einen Namen gemacht. "Jürgen Huber ist ein Gesamtkünstler." Dr. Helmut Hein hob das in seiner Einführungsrede bei der Ausstellungseröffnung besonders hervor. "Er malte niemals nur vor sich hin, sondern war immer auch ein ,Stratege im Kunstkampf'." Hein, der seit seiner Zeit als Feuilletonist eng mit Huber verbunden ist und den Künstler von Anfang an begleitete, verwies damit auf die zahlreichen kulturpolitischen Aktivitäten seines Freundes: Huber, der in den 1980er Jahren Mitbegründer der Regensburger Künstlergruppe "Warum Vögel fliegen" war, organisierte unter anderem die Gesprächsreihe "Politik der Kunst". Als "Regensburger Großereignis" bezeichnet Hein diese Abende, an denen große Figuren aus der Kunstszene in die Donaustadt eingeladen waren. Auch als Vorstand des Kunstvereins GRAZ und durch sein Engagement für den Regensburger KultuRklub ist Huber eine wichtige Figur der Regensburger Kunst- und Stadtpolitik.

Ein Unruhestifter ist er eben, der Künstler Jürgen Huber. Aber ein erfolgreicher.

Die Ausstellung "22 Lichtjahre von hier - Malerei von Jürgen Huber aus den Jahren 1985 bis 2007" ist bis 4. Februar im Kunstverein GRAZ, Ladehofstraße 20 in Regensburg, zu sehen. Öffnungszeiten sind Freitag und Samstag von 16 bis 19 Uhr.

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