16.04.2018 - 10:06 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Der rote Löwe": Sozialkritisches Stück als Neuinszenierung von Jens Poth am Theater Regesburg "Der rote Löwe" verfehlt Intention

Wenn es so etwas wie einen moralisch sauberen und von reinem Idealismus geprägten Fußballsport jemals gegeben haben sollte, dann liegt das, zumindest was den internationalen Fußball betrifft, bereits mehrere Jahrzehnte zurück. Zahlreiche Fifa-Skandale sprechen eine deutliche Sprache.

Das junge Talent Jordan (Roman Mucha, links), der ehemalige Profi und jetzige Zeugwart Yates (Gerhard Hermann, rechts) und der geldgierige Trainer Kidd (Frerk Brockmeyer) im schmutzigen Geschäft des Fußballs. Die Neuinszenierung des Stücks "Der rote Löwe" am Theater Regensburg verfehlt seine sozialkritische Intention. Schauspieler und Bühnenbild machen die Aufführung dennoch unterhaltsam. Bild: Jochen Klenk
von Stefan RimekProfil

Manipulierte Spiele im Rahmen von Wett-Skandalen erschütterten bereits Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts auch die Bundesliga. Und selbst in semiprofessionellen Vereinen der vierten oder fünften Ligen halten sogenannte Spielerberater und damit auch das geldgierige Geschacher um Spielertransfers immer mehr Einzug. Dass es selbst in so einem unterklassigen Verein heutzutage nicht immer ganz legal zugeht, will Patrick Marbers 2015 am National Theater in London uraufgeführtes Theaterstück "The red Lion" ("Der rote Löwe") zeigen. Nun hatte das Stück am Samstag am Theater Regensburg in einer Neuinszenierung von Jens Poth Premiere.

Intim und unmittelbar

Mit dem kleinen Theater am Haidplatz wählen die Verantwortlichen den idealen Ort für dieses Kammerspiel aus, das nur drei Personen aufzuweisen hat. Die intime Atmosphäre dieses Theaters lässt den Zuschauer die Emotionen unmittelbar miterleben. Und Emotionen gibt es viele in diesem Stück.

In der Art und Weise dieser Gefühlsausbrüche liegt aber vor allem in der Figur des zynischen und geldgierigen Trainers auch eine gewisse Problematik. Denn diese Figur ist vom Autor derart überzeichnet angelegt, dass es der eigentlichen Intention des Stücks schon fast kontraproduktiv gegenübersteht. So wirkt die Inszenierung bis zur Hälfte eher als eine kabarettistische Persiflage und nicht wie ein Theaterstück mit Realitätsbezug.

Dafür sorgt auch die Regie von Jens Poth, die den Schauspieler Frerk Brockmeyer den Zynismus des Trainers Jimmy Kidd sehr deutlich herausstellen lässt. Darüber sollte man diskutieren, denn zu dick aufgetragen kann man hier die sozialkritische Intention des Stücks nicht mehr recht ernst nehmen.

Darsteller beeindrucken

Glücklicherweise wandelt sich die Szenerie später und die Dialoge zeichnen sich durch mehr Realitätssinn aus, dass dann sowohl im Stück selbst als auch in Poths Inszenierung die schmutzigen Machenschaften nachvollziehbarer über die Bühne kommen. Ein kleines Problem dürfte allerdings in der nicht immer gelungenen Übersetzung von John Birke aus dem Englischen ins Deutsche liegen, da die Figuren sich für deutschsprachige Verhältnisse manchmal etwas seltsam ausdrücken.

Keine Frage, die schauspielerischen Leistungen von Frerk Brockmeyer als Trainer Kidd, Gerhard Hermann als Zeugwart und ehemaliger Profifußballer Yates sowie Roman Mucha in der Rolle des jungen Fußballtalents Jordan sind durchwegs beeindruckend. Auch die meisten Bewegungsabläufe und das originelle Bühnenbild mit den unterirdischen Abgangsmöglichkeiten in der schrägen Rasenfläche bereichern die Produktion. So erlebt man insgesamt doch einen relativ unterhaltsamen Premierenabend mit berechtigtem Applaus. Der ganz große Wurf ist Patrick Marber mit diesem Stück allerdings nicht gelungen.

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