27.09.2006 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Der Tod ist ein Irrtum": Uraufführung der Videoinstallation von Brigitte Maria Mayer auf der ... "Die Ideologie von heute ist die Warenwelt"

von Susanne WolkeProfil

Die Walhalla: Als Ruhmeshalle der Deutschen errichtet, erhebt sie sich hoch über der Donau. Gemäß dem Wunsch des bayerischen Königs Ludwig I. sollen dort Büsten bedeutender Persönlichkeiten die nationale Identität der Deutschen ins Bewusstsein rufen und feierlich würdigen. Die Idee dazu entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Seitdem haben sich die Zeiten geändert - und auch die Ideologien.

"Die Ideologie von heute ist die Warenwelt", findet die Künstlerin Brigitte Maria Mayer. In ihrer Videoinstallation "Der Tod ist ein Irrtum" thematisiert die gebürtige Regensburgerin die Frage nach Ideologie und Identität. Jetzt präsentierte sie die Uraufführung des Filmes auf der Walhalla.

Desillusionierte Moderne

Dass die mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin die Walhalla als Aufführungsort gewählt hatte, ist kein Zufall: "Die Walhalla ist der Erfüllungsort der Installation", sagte sie über die Nachahmung eines griechischen Tempels. In ihrer Videoinstallation lässt Mayer zwei gegensätzliche deutsche Epochen aufeinanderprallen: das pathetische 19. Jahrhundert - hervorragend vertreten auch durch die Walhalla - und die desillusionierte Moderne.

Im Zentrum des als Triptychon auf drei Bildschirmen gezeigten Filmes stehen Ludwig II., die Generation der 1968-er sowie das beginnende 21. Jahrhundert. Ludwig II. wird von einem spärlich bekleideten jungen Mann dargestellt. Blau-weiß-bayerische Rauten, Einspielungen aus Richard Wagners Opern "Lohengrin" und "Parsifal" sowie ein Schwan - über dem Intimbereich einer jungen Frau einrasiert - verweisen symbolisch auf den bayerischen König. In den Augen Mayers steht dieser für gescheitertes jugendliches Aufbruchspathos. Sie selbst tritt im langen schwarzen Mantel als Mutter Ludwigs II. auf.

Vom Märchenkönig macht die Künstlerin einen Sprung zu den 68-ern. "Dreh dich um, dein Vater ist ein Schlechter!", brüllt ein junger Mann. Deutscher Nationalstolz wie bei Ludwig I. oder seinem träumerischen Enkel? Das war einmal. "Und vergesse", heißt es nun in deutlicher Anklage gegen das Dritte Reich, als die nationale Identität der Deutschen zum Nationalsozialismus abgestürzt war.

Schließlich zeigt der Film Bilder über das Ende aller Ideologien zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Langbeinige jugendliche Models frönen dem Konsum. "Die Ideologie von heute ist die Warenwelt", lautet das Resümee Mayers. "Es gibt keine Utopie mehr außer den Marken, keine Utopien mehr außer Geld."

Ehefrau von Heiner Müller

Brigitte Maria Mayer hat an der Hochschule für visuelle Kommunikation in Kassel mit dem Schwerpunkt Fotografie und Performance studiert. In ihren Arbeiten verbindet sie historische und autobiographische Aspekte. Das gilt auch für die Videoinstallation "Der Tod ist ein Irrtum": Nicht nur, dass die Künstlerin aus Bayern stammt, nahe der Walhalla geboren wurde und als Jugendliche in der "Roten Schülerfront" war. Die Arbeit enthält auch sehr persönliche Elemente. So zitiert am Ende des Films die zwölfjährige Tochter der Künstlerin einen Text aus "Wolokalomsker Chaussee V (Der Findling)" von Heiner Müller. Bei dem 1995 verstorbenen Dramatiker handelt es sich um den Ehemann Brigitte Mayers und den Vater ihrer Tochter.

Die Videoinstallation "Der Tod ist ein Irrtum" soll noch ein zweites Mal gezeigt werden, in der Ruine des Palastes der Republik in Berlin. Mayer sieht in dem Gebäude ein Symbol für den Aufbruchspathos der DDR. Die Walhalla dient nicht häufig als Aufführungsort für Veranstaltungen. Aufgrund der historischen und politischen Bedeutung des Bauwerks werden die meisten Anfragen diesbezüglich abgelehnt.

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