21.11.2006 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Die 80. Jahresschau versammelt oberpfälzische und niederbayerische Künstler und Kunsthandwerker ... Breite Plattform für regionales Schaffen

von Susanne WolkeProfil

Auf 80 Jahre Erfolgsgeschichte blickt der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg zurück. 80 Jahre, "in denen sich die Jahresschau zu einem Spiegel der Kunstschaffenden unserer Region entwickelt hat wie keine andere Institution weit und breit", wie es Stefan Reichmann vom Kunst- und Ausstellungsausschuss des Vereins formuliert.

Der Kunst- und Gewerbeverein - 1926 mit der Idee gegründet, eine Vereinigung von Künstlern aus der Oberpfalz, später auch aus Niederbayern, zu schaffen - zeigt bei seiner 80. Jahresschau wieder Kunsthandwerk, Skulptur und vor allem Malerei. Die Ausstellung wurde jetzt im Kunst- und Gewerbehaus in Regensburg eröffnet und ist dort bis zum 17. Dezember zu sehen.

Viele Stilrichtungen

"Im Laufe der Zeit hat unsere Jahresschau ständig an Aktualität und Qualität gewonnen", sagte Alfred Böschl bei der Einführungsrede. Besonders hob der Vorsitzende des Kunstvereins die vielschichtige Auswahl der Jury aus hunderten von Bewerbungen hervor. In der Tat weisen die Werke der rund 70 vertretenen Künstler äußerst unterschiedliche Stilrichtungen auf.

"Überlagerung I" von Matthias Eckert etwa steht mit seinen monochromen Farbflächen in der Tradition des Suprematismus. Die Gemälde von Hans Glas und Sabine Wild dagegen sind realistische Darstellungen. Glas vermittelt in seiner Szenerie "Landschaft" eine bedrohliche Stimmung, hervorgerufen durch eine extreme Perspektive und eine fast unnatürlich wirkende malerische Genauigkeit. Ganz anders das Bild "Annette" von Sabine Wild: In fröhlich bunten Farben wird hier ein in der Sonne liegendes Mädchen gezeigt.

Der Kunstpreis des Kunst- und Gewerbevereins für die interessanteste Arbeit in der Altersgruppe unter 40 Jahren ging an Annette Beisenherz. "Dein Kummer lässt mich nicht in Ruh" heißt ihr großformatiges Bild. Bei der in Blau und Rot gehaltenen Abbildung orientiert sich die gebürtige Regensburgerin bewusst an traditionellen Mariendarstellungen: Den so genannten Schönen Madonnen ähnlich, hält eine Frau ihr Kind im Arm.

Doch anders als bei den spätgotischen Skulpturen handelt es sich hier nicht um eine liebliche Szene. Das Kind spielt nicht lächelnd mit dem Gewand der Mutter. Es greift ihr mit einer fast groben Bewegung an den Leib und blickt sie mit seinem maskenhaft wirkenden Gesicht an.

"Ich beschäftige mich seit zehn Jahren mit dem Thema Mutter und Kind", erklärte die in Berlin lebende Künstlerin. "Dabei geht es mir einerseits um Mutterliebe, aber auch um gegenseitige Abhängigkeit." Das innige Verhältnis zwischen Mutter und Kind empfindet Annette Beisenherz als heilig und unantastbar - "aber ich ziele auch auf den Konflikt ab, also darauf, wann Mütterlichkeit und Aufopferung zu viel wird".

Bewegte Geschichte

Bei der Eröffnung der Ausstellung ging Alfred Böschl auch auf die Geschichte der Jahresschau ein. In den Ausstellungsräumen stellten schon Weltgrößen wie Fritz Koenig und Otto Dix aus. Andererseits fand dort zur Zeit des Nationalsozialismus eine Ausstellung "entarteter Kunst" statt - noch vor der großen Schau in München. Ein Kapitel, das die Mitglieder des Vereins ausdrücklich von der Erfolgsgeschichte ausklammern.

Die Ausstellung ist bis zum 17. Dezember im Kunst- und Gewerbehaus Regensburg in der Ludwigstraße 6 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr.

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