Die Ausstellung "bella figura" in Regensburg wirft Fragen nach der Ästhetik auf
Von der Schönheit eines Fitnessgeräts

Kultur
Regensburg
03.05.2013
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Schönheit ist eine Sache der Definition. Und nicht nur das: Mitunter stellt sich auch die Frage, ob Schönheit denn unbedingt erstrebenswert ist. Der Regensburger Psychotherapeut Gerhard Hecht jedenfalls glaubt: "Die Aussage ,Sie malen aber schöne Bilder' würde diese Künstler nicht zufriedenstellen."

Gemeint sind Jürgen Huber, Tone Schmid, Jürgen Schönleber, Leo Schötz und Wolfgang Wroblewski. Zwischen Modeläden, Kosmetikgeschäften und anderen vielversprechenden Schönheitstempeln stellen sich die fünf Künstler derzeit dem Publikum im Donau-Einkaufszentrum in Regensburg.

Durchaus provokant

"Bella figura" lautet der Titel der Schau. Hinter dem Namen lässt sich durchaus eine Provokation vermuten. Vor allem, wenn man weiß, wer dahinter steckt: Jürgen Huber ist nicht nur als Künstler vertreten. Er hat die in Zusammenarbeit mit dem KunstvereinGRAZ entstandene Schau außerdem als Kurator auf die Beine gestellt.

"Die Künstler dieser Ausstellung sind alle stark in ihrer Bereitschaft zur Figürlichkeit, in ihrer kraftvollen, oftmals gestischen, also vom Körper bestimmten Malerei", erklärt Huber in seiner Einführung zur Schau. Er selbst steuert eine Figurenparade bei, die von einem eckigen "Padre Pio" bis zu aus verlaufenden Farbflecken entstehenden Kreaturen reicht. Auf ähnlich expressive Art nähern sich Leo Schötz und Wolfgang Wroblewski der Figur. Die in grellen Farben gehaltenen Wesen der beiden haben etwas Archaisches. Und sie gebärden sich auch so. "Voll von hinten auf die Birne" heißt ein Acrylbild von Leo Schötz aus dem Jahr 2011.
Hinzu kommen die sanfteren Gemälde Jürgen Schönlebers, der in pastelligen Tönen offenbar eigene Reiseerfahrungen verarbeitet - "Ich in Griechenland" oder "Ich als Sphinx". Und natürlich Tone Schmids kinetische Figuren, die der Künstler aus Fundstücken und Schrottteilen zusammen gebastelt hat: Ein durch Funk gesteuerter Trommler oder eine recht lebendig wirkende Assemblage aus Fitnessgerät und Hirschgeweih. Figürlich sind die gezeigten Arbeiten im Donau-Einkaufszentrum auf jeden Fall. Aber schön? Hier kommt wieder Gerhard Hecht zu Hilfe. "Als schön wird das Vertraute empfunden", klärte der Psychotherapeut bei seiner Einführungsrede zur Schau auf. Und hiermit können die fünf Künstler dienen. Sie alle bleiben seit Jahren ihrem unverwechselbaren Stil treu. Jung und wild ehemals, vertraut und - gemäß psychologischer Auslegung - schön mittlerweile.

Eine Ansichtssache

"Die fünf Männer sind unverwechselbar", diagnostiziert auch Jürgen Huber. Ihre Arbeiten sähen nicht aus "wie Picasso", sondern wie Kunst von Tone Schmid, Jürgen Huber und so weiter. Der vom Wortlaut her an italienisches Schönheitsbewusstsein anspielende Titel der Ausstellung überträgt die "bella figura" frech ins Deutsche. Ein Mangel an ästhetischem Empfinden wird hierzulande gerne durch die Besinnung auf tiefere Werte wettgemacht. Dabei stellt sich konsequenterweise die Frage: Ist rein oberflächliche Schönheit überhaupt erstrebenswert? Das ist und bleibt Ansichtssache.

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Die Ausstellung "bella figura" ist bis zum 11. Mai zu den regulären Öffnungszeiten im Donau-Einkaufszentrum zu sehen und kommt im Januar 2014 in die Städtische Galerie Alte Feuerwache nach Amberg.
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