14.12.2017 - 20:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Die Geigerin Julia Fischer und der Pianist Aris Alexander Blettenberg verzaubern mit ihrer ...: Duo mit Dimensionen

Fast wird dieser Kammermusikabend im Audimax an den Rand gedrängt, wo die so fröhliche selige Weihnachtszeit immer und überall streichend, blasend, singend herauf beschworen wird. Julia Fischer (34, Violine) und Aris Alexander Blettenberg (23, Klavier) legen bei den "Odeon Concerten" einen Auftritt hin, mit dem sie sich in die oberste Reihe ihrer Zunft rücken.

Klangkunst beim Kammermusikabend: Die Geigerin Julia Fischer und der Pianist Aris Alexander Blettenberg begeistern das Publikum. Bild: Felix Broede
von Peter K. DonhauserProfil

Musik-Kaiser Franz

Als Visitenkarte legen sie Mozarts gewichtige und ob ihrer Transparenz hochsensible B-Dur-Sonate KV 454 vor. Schon die ersten Takte des einleitenden Largo lassen aufhorchen: Sie stellen große aufrechte Gesten und nachdenkliche gebrochene Zweifel gegeneinander, plastische Rhetorik steht auch weiterhin obenan: Wie imaginäre Personen einer Oper treten Motive und Themen in innigen Dialog, entwickeln ihre Charaktere, lachen, weinen, scherzen - wie die mit delikatem Witz gespielte Sechzehntel-Vierergruppe c-a im Allegro vor der Durchführung. Ein authentischer, geradliniger Mozart mit Fleisch und Blut, ohne Parfum, Puder und Perücke, man begegnet sich auf Augenhöhe.

Das Rondeau brillant h-Moll op. 70 D 805 stammt aus der Feder von Franz Schubert. Fischer und Blettenberg nehmen seine Musik angemessen ernst, erliegen nicht der Versuchung, seine liedhaften Melodien biedermeierlich zu verharmlosen. Perfekt treffen sie den langsamen Puls der einleitenden punktierten Akkorde. Der schlanke, freie, leuchtend helle Violinton Fischers (sie spielt alles auswendig) scheint nun kantabler, schmiegsamer, cremiger zu klingen. Im Allegro hören die Gäste feinste dynamische Details. Da wechseln Euphorie, mitreißend swingende Tanzbegleitung und energisch schreckende Dramatik wie aus heiterem Himmel.

Böhmische Töne

Nach der Pause kommt Anton Dvoráks Romanze f-Moll op. 11 in still wiegender 6/8-Takt-Melancholie, mit warmem und sinnlichem, nie affektiertem Vibrato der Violine, die Phrasen dürfen poetisch frei atmen. Blettenberg zaubert instrumentale Farben aus den Tasten, vor dem Klavierpart steht eine Orchesterfassung. Er repräsentiert eine junge Generation von Pianisten, technisch topfit, klug, über das Anschlagen von Tasten hinaus gebildet, spontan, emotional, mit enormer Klangfantasie. Er musiziert mit der überragenden Julia Fischer auf Augenhöhe, er führt bestechend Klangregie, kann ein unerhörtes Piano und Pianissimo, nie donnert er die Geige an die Wand.

So gerät auch die leidenschaftlich glühende Sonate d-Moll op. 9 von Karol Szymanowski mit ihrer blitzsauber parierten Geigen-Oktaven-Flut zu einem hinreißenden Erlebnis. Jubel, als Zugaben Szymanowskis exotisch gefärbte Nocturne und Tarantella op. 28.

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