24.07.2008 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Die Gralshüterin von Boney M.: Liz Mitchell wird den Erwartungen auf Schloss Thurn und Taxis ... "Ma Baker" sieht recht blass aus

von Susanne WolkeProfil

Es ist doch oft so: Altstars touren noch Jahrzehnte nach ihren großen Erfolgen durchs Land und können dabei die Hoffnungen des Publikums dabei nicht immer geerfüllen. So auch das Überbleibsel von Boney M., das unter dem Namen "Boney M. featuring Liz Mitchell", am Dienstag auf Schloss Thurn und Taxis gastierte. Frontfrau Mitchell trat dort bei den Schlossfestspielen gemeinsam mit einer verjüngten Band auf.

"Rivers of Babylon", "Ma Baker", "Sunny" oder "Daddy Cool": Die Hits, mit denen Boney M. in den 70er Jahren weltweit die Spitzen der Charts stürmten, hat noch heute jeder im Ohr. Entsprechend waren die Erwartungen vor dem Regensburger Konzert. Doch bevor es nach der Pause endlich richtig losging, hatte Liz Mitchell noch anderes vor: die Songs ihrer eigenen CD "My Life Is In Your Hands" vorzustellen.

Christliche Solo-Songs

Um Jesus Christus ging es da und darum, dass man sich keine Sorgen zu machen brauche und keine Angst haben müsse. Unterbrochen waren diese Hoffnungshymnen durch Kommentare der Sängerin. Ursprünglich aus Jamaika stammend, weiß Liz Mitchell natürlich, wovon sie spricht. "Weißt du", erklärte sie dem Publikum mit der Tragik des Anlasses entsprechender Stimme, "ich hatte keine richtige Heimat". Umso dankbarer sei sie nun ganz Deutschland und den Regensburgern insbesondere.
Vom Hocker reißen konnte das niemanden. Nicht einmal den Tänzer, der hier nach ein paar achtbaren Saltos eine Pause einlegen durfte. So ganz klappte es ohnehin noch nicht mit der Verständigung zwischen dem gelenkigen Jungspund, der mit einer Mischung aus Breakdance- und Rapschritten aufwartete, und der in wallendes Pink gehüllten Liz Mitchell.

Diskrepanzen herrschten auch zwischen den Mundbewegungen des singenden Tänzers oder tanzenden Sängers - je nachdem - und dem Einsatz der Männerstimme vom Band. Anders als bei den Kollegen Milli Vanilli wurde bei den 1975 von Frank Farian gegründeten Boney M. nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die Stimmen auf den CDs nicht unbedingt die der offiziellen Bühnenbesetzung sind.

Coverband, kein Original

Doch auch die Stimme Mitchells, die den Hits von Boney M. tatsächlich ihre unverwechselbare Prägung gegeben hat, erreichte nicht ihre gewohnte Kraft. Akustisch schlecht und lieblos heruntergespielt, wirkte der Auftritt wie der einer zweitklassigen Coverband.

Da halfen auch Flitter und Diskolicht nicht weiter. Ebenso wenig Liz Mitchells schon zu Beginn des Konzertes vorgetragene Aufforderungen an das Publikum, doch endlich aufzustehen. Eigentlich war das sowieso unnötig. Die Zuschauer hatten sich noch gar nicht alle gesetzt, als die Band bereits zu spielen begann. Das Resümee des Abends: CD-Hören fetzt mehr.

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