17.03.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Die Städtische Galerie "Leerer Beutel" zeigt Werke des Nabburger Künstlers Paul Schinner Zeichnerische Dickichte voller Faszination

von Susanne WolkeProfil

"Paul Schinner führt uns kleine Welten vor Augen", sagt Dr. Herbert Schneidler. "Seine Zeichnungen sind stets abstrakt, aber nie gegenstandslos." Manchmal erkennt der Leiter der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" darin Landschaften, dann wieder einen Torso. Paul Schinner selbst nimmt diese Interpretationen an. "Wenn Herr Schneidler in den Zeichnungen Landschaften sieht, dann ist das wohl so", bemerkt er. Für den Nabburger Künstler gilt die Regel: "Der Betrachter sieht das Bild mit seinem eigenen Blick." Und diesem Blick zu genügen, ist das Ziel seiner Arbeiten.

Ein Ziel, das Paul Schinner mit Bravour meistert. Dies bewiesen die zahlreichen Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung "Paul Schinner - Zeichnungen von 1987 bis 2007" am Donnerstag im "Leeren Beutel". So viele "Fans, Verehrer, Kenner, Bewunderer und Förderer Paul Schinners" konnte Kulturreferent Klemens Unger da begrüßen, dass die Veranstaltung kurzerhand in einen größeren Raum verlegt wurde.

"Paul Schinner gehört zu den großen Künstlern in der Region", sagte Unger in seiner Eröffnungsrede über den gebürtigen Windischeschenbacher, der in Nürnberg Gold- und Silberschmiedekunst und in Berlin Bildhauerei studiert hat und der heute in Nabburg lebt. "Schinners Zeichnungen sind so faszinierend, dass man sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt", fügte Herbert Schneidler hinzu.

Der Leiter der Städtischen Galerie Regensburg verwies damit auf die "dickichtähnlichen Liniengeflechte" Schinners. Die Zeichnung ist neben der Bildhauerei der Schwerpunkt des Künstlers. Das Resultat sind vegetative Flechtwerke, die mit Bleistift, Kreide und Tusche auf Papier oder Karton gebannt sind. Mal wirken die Bildobjekte wie undurchdringliche Netze, dann wieder wie hauchdünne Fäden.

"Wenn ich mich sehr wohl fühle, dann werden die Bilder immer leiser", sagt Schinner selbst. Das Ergebnis seiner Werke hängt für ihn ganz von der eigenen Stimmung ab. "Die Dynamik in den Bildern kommt oft aus einer Sache, die mich in Rage bringt, etwa eine Meldung in der Presse."

Er müsse in der richtigen Verfassung sein, wenn er mit dem Zeichnen beginne, erklärt Schinner, der sich selbst nicht als Künstler bezeichnet sondern schlichtweg als Zeichner und Bildhauer. Wenn er die innere Bereitschaft zum Zeichnen habe, dann entstehe ein Bild von selbst. "Aber ob das dann richtig ist oder nicht, stellt sich erst heraus, wenn man Abstand gewonnen hat und die Sache objektiv betrachtet", räumt er ein.

Bis zur völligen Fertigstellung eines Bildes vergehen manchmal Minuten, manchmal auch Jahre. "Es gibt Zeichnungen, die sind in zehn Minuten fertig", sagt Schinner. Immer wieder hinzugefügte Jahreszahlen auf der Rückseite mancher Bilder deuten dagegen auf einen langwierigen Schaffensprozess hin. Schinner atmet tief durch. "Manche Bilder dauern furchtbar lange."

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von Kay Westermann am Flügel. Der Freund Paul Schinners hatte sich von dessen Werken zu Kompositionen inspirieren lassen. Zur Uraufführung kam "Fragment. Hommage an Paul Schinner".

Die Ausstellung "Paul Schinner - Zeichnungen von 1987 bis 2007" ist bis zum 6. Mai in der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Am Karfreitag, 6. April, ist geschlossen. Am 26. April, findet um 19.30 ein Gespräch mit Paul Schinner statt.

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