23.04.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Die Welt aus der Perspektive der Frau - Fünf Künstlerinnen stellen bei Female 2 im Regensburger ... Bunt, ernst, witzig und überaus weiblich

von Susanne WolkeProfil

Künstlerinnen, das sind meist Frauen, die malen. Malende Frauen, Malfrauen, Fe-"male". Mit einem Wortspiel tituliert der KunstvereinGRAZ seine aktuelle Ausstellung: "FEMALE 2" ist eine Gemeinschaftsschau von fünf Künstlerinnen.

Die Ausstellung wurde am Samstag in den Räumen des Kunstvereins in der Ladehofstraße eröffnet. "Natürlich kommt hierbei schon etwas anderes heraus, als wenn ein Mann ausstellt", sagt Jürgen Huber. Für den Leiter des KunstvereinsGRAZ ist es bereits die zweite Gemeinschaftsschau von Frauen, die er kuratiert hat. Die erste FEMALE war bereits 2004 gelaufen.

Das Thema Körper

Fünf unterschiedliche Künstlerinnen sind es, die Huber nun nach Regensburg geladen hat: Conny Siemsen aus München, Conni Effner aus Nürnberg, Barbora Motlová aus Pilsen sowie die "Kunstchristl" und Maria Zillich aus Regensburg. Herausgekommen ist eine bunte, oft ernste, aber auch witzige Schau. Viele Werke beschäftigen sich mit dem Thema Körper.

"Die Ausstellung ist zwar nicht konzeptuell", erklärt Jürgen Huber. "Aber es hat sich so ergeben, dass es in erster Linie ums Körperliche geht." Auf völlig unterschiedliche Weise nähern sich die fünf Künstlerinnen diesem Thema. Da sind einerseits die zarten Portraits von Maria Zillich. "Ich male Leute, die mich beschäftigen", sagt die Künstlerin. "Freunde, Bekannte oder Personen aus der Literatur oder der Musik."

Das Resultat sind fast transparente Darstellungen: schwarz-weiß oder in Pastellfarben gehalten und oft nur noch auf Umrisse reduziert. Ganz anders die Arbeiten der "Kunstchristl". Anrüchig und fast obszön wirken deren Gemälde von Frauen, die sich lasziv räkeln und dabei einen großen Fetisch der Menschheit präsentieren: den Schuh. Ein Jahr lang hat sich die Regensburgerin mit diesem Kleidungsstück beschäftigt, das Stolz und Erhebung ebenso evoziert wie Zumutung und Qual. Ihre Bilder demonstrieren die Verbindung zwischen Schuh und Sexualität.

Um Sexualität und zugleich Gewalt drehen sich auch die Stücke von Conny Siemsen. Die spitzen weißen Kegel, die sie bei GRAZ zeigt, assoziiert die Künstlerin ausdrücklich mit dem Ku Klux Klan. Aufgemalte schwarze Geflechte erinnern außerdem an Schambehaarung. Eine Verbindung von Sexualität und Gewalt lässt sich hier erahnen - unterstrichen auch von der phallusförmigen Gestalt der bemalten Holzskulpturen.

Schrill und farbig

Keine großen Interpretationen hält Conni Effner für ihr Werk bereit. Ihre schrillen, quitschbunten Skulpturen sind für sie "alberne Kompositionen ohne tieferen Sinn". Den an der Wand hängenden Stöckelschuh mit eingefügtem Hirschgeweih etwa habe sie einfach aus Spaß geschaffen. "Aber wenn irgendjemand etwas darin sehen möchte, darf er das schon", sagt die Künstlerin. Das gleiche gilt für die Aquarelle von modernen jungen Frauen, die ihre Gesichter verhüllen. Ob Anspielung an den Islam oder coole Gangsta-Girls: "Jeder darf sich dazu eine Geschichte einfallen lassen", so Conni Effner.

Barbara Motlová schließlich spielt mit Erwartungen und Widersprüchen. "Leuchtturm" heißt eines ihrer Gemälde. Dargestellt ist ein im Dunkeln sitzendes Kind. Im Hintergrund erstrahlt ein Leuchtturm - wohl das viel zitierte Licht in jeder Dunkelheit. Aber der Schein trügt. Was Barbara Motlová da abgebildet hat, ist kein Hoffnungsschimmer, sondern der Überwachungsturm des Pilsener Gefängnisses.

Die Ausstellung FEMALE 2 ist bis zum 12. Mai im KunstvereinGRAZ in der Ladehofstraße 20 in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Freitag und Samstag von 16 bis 19 Uhr. Am 5. Mai hält Dr. Annegret Winter den Vortrag "Die fragmentierte Frau", am 8. Mai liest Renate Just aus "Krumme Touren". Beide Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr.

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