08.03.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ein ganz neues Passionsspiel aus dem Regensburger Land sorgt derzeit für großes Interesse Aktuelles Leiden: "Jesus im Jahre 2007"

von Susanne WolkeProfil

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Premiere, und für Willi Bohn wird es langsam ernst. Da ist einerseits seine Truppe: mehr als 70 Leute verschiedenen Alters, mit denen er ein Passionsspiel einübt. Und da ist andererseits die Presse, die ihm seit ein paar Tagen regelrecht die Türen einrennt.

Drei Jahre lang haben Willi Bohn und seine Leute bereits geprobt. Es waren drei ruhige Jahre. Seit vergangener Woche aber ist alles anders. Vielleicht weiß Willi Bohn momentan nicht mehr genau, ob es eine gute Eingebung war - damals, als er bei sich zu Hause in der Küche saß und schlagartig die Idee hatte, ein modernes Passionsspiel auf die Beine zu stellen. Momentan ist es jedenfalls der pure Stress, der über den gebürtigen Oberammergauer hereingebrochen ist.

Vorbote des Erfolgs

Stress, der aber auch ein Vorbote des zu erwartenden Erfolgs ist. Denn das Passionsspiel, das der heute in Steinsberg lebende Willi Bohn mit seiner Gruppe einstudiert, ist etwas Besonderes: "Jesus im Jahre 2007" heißt es, und wie der Titel schon sagt, spielt es in der Gegenwart - zumindest bis zur Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus. "Jesus taucht in diesem Spiel erst im Jahr 2000 auf", erklärt Bohn in einer kurzen Atempause. "Er nimmt sich der Außenseiter in der Gesellschaft an und verurteilt die Kälte der Reichen und Mächtigen."

Die Außenseiter der Gesellschaft sind in diesem Fall Rollstuhlfahrer und Hartz-IV-Empfänger. Außerdem gibt es in dem Stück eine Talkshow mit dem Thema Jesus. Die Darstellung der Geißelung orientiert sich an den Folterungen im Irak. Nur die letzten Szenen der Passionsgeschichte werden traditionell gespielt. Kreuzigung bleibt Kreuzigung - auch bei Willi Bohn.

Nun stehen die letzten Proben an, und die Ereignisse überschlagen sich. Den ganzen Tag hat Willi Bohn schon mit der Presse telefoniert - "ich bin mir vorgekommen, wie ein Manager". Der drahtige 62-Jährige mit dem blonden Stoppelhaar und dem Goldohrring steht auf der Bühne des Regensburger Antoniussaals und versucht, Ruhe in den Saal zu bringen. Eine kräftige Stimme hat er, dieser pensionierte Lehrer, aber heute muss auch er sich anstrengen. Vor ihm wimmelt es von Menschen: Mitspieler, denen Willi Bohn vollste Konzentration abverlangt, die aber auch nicht abgeneigt sind, vor laufenden Fernsehkameras Interviews zu geben.

Und Journalisten, die filmen, fotografieren und den Jesus-Darsteller vereinnahmen. Der Jesus-Darsteller, das ist Josef Andree, 27 Jahre alt und ehemals Krankenpfleger in der Rehaklinik in Nittenau. Durch diese Stelle kam er an die Rolle des Jesus. Denn eines Tages wurde Willi Bohn in die Klinik eingeliefert: Mit einem Bandscheibenvorfall auf der Bahre liegend und schon von weitem wild gestikulierend.

"Er hat mir gleich lautstark das Angebot gemacht, den Jesus zu spielen", erinnert sich Andree. "Ich bin dann aus Interesse hingefahren", fährt der junge Mann aus Schwandorf fort. Ähnlich ging es zahlreichen anderen Darstellern. Nach und nach wurden sie von Willi Bohn angesprochen: Die Frau mit den orange gefärbten Haaren etwa, die eigentlich nur bei den Proben zuschauen wollte, die Bohn aber aufgrund ihres ausgeflippten Äußeren unbedingt engagieren wollte.

Die Familie, die im gleichen Ort wohnt wie Bohn und die der Regisseur bei einem Sonntagsspaziergang von der Sache überzeugte. Oder die junge Frau, die Bohn vom Gebetskreis her kennt. Es ist eine bunte Truppe, die sich hier zusammengefunden hat.

Vorfreude und Spannung

Nun, wenige Tage vor der Premiere, herrscht Vorfreude, aber auch Spannung. "Ich habe großes Lampenfieber", gesteht Jesus-Darsteller Andree. Denn viele Besucher sind zu erwarten: "Die beiden Aufführungstage sind schon gut belegt", ruft Willi Bohn gerade von der Bühne herunter. Der gegenwärtige Rummel scheint sich also zu lohnen. Der Darsteller eines Hohepriesters sieht der Aufführung gelassen entgegen: "Ich meine, es kann nur positiv werden."

Das "Passionsspiel aus dem Regensburger Land: Jesus im Jahre 2007" wird am 10. März um 18 Uhr und am 11. März um 17 Uhr im Regensburger Antoniussaal, Mühlweg 13, in Regensburg aufgeführt. Kartentelefon: 09402/1486.

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