Eine Begegung mit Pianist Joja Wendt
Der Anwalt der Klaviermusik

Kultur
Regensburg
17.11.2017
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Deutschlands erfolgreichster Pianist Joja Wendt wird am 2. Dezember im Audimax Regensburg die "Kunst des Unmöglichen" präsentierten

Man möchte sich nicht mit ihm messen: Nicht im Tischtennis, wo er in der höchsten Hamburger Liga spielt, und schon gar nicht im Klavierspielen, wo er Champions-League-Format hat. Am 2. Dezember macht Pianist Joja Wendt während seiner Deutschland-Tour Station in Regensburg. Eine Begegnung.

Joja Wendt hat noch immer ein großes Leuchten in den Augen, wenn er den Ausstellungs-Raum des Pianohauses Metz in Regensburg betritt. Die vielen Flügel und Klaviere auf kleinem Raum beeindrucken ihn. Man sieht ihm an, dass es ihn in den Fingern juckt darauf zu spielen - was er dann natürlich auch tut. Filigran gleiten seine Finger über die weißen und schwarzen Tasten. Und schon ist Wendt bei einem sportlichen Thema. "Tischtennis ist eine Sportart, bei der man antizipieren muss, vorausschauend sein muss und gute Reflexe haben muss. Und das hilft mir auch beim Klavierspielen, um fokussiert zu bleiben", erzählt Wendt.

Im Alter von vier Jahren hat Wendt mit dem Klavierspielen begonnen, heute ist der 53-jährige Hanseat der erfolgreichste deutsche Pianist. Wer ihn bereits live oder im Fernsehen erlebte, weiß warum: Er lässt die Klaviermusik in vielen genreübergreifenden Facetten erstrahlen und sprengt althergebrachte Rituale eines klassischen Klavierkonzertes. "Klavierkonzerte sind aber immer noch eine Nische, vor allem weil ich ja eigentlich aus der Jazz-Ecke komme. Also eigentlich Nische-Nische", bekennt Wendt.

In Regensburg

Umso mehr freut er sich, mit seinen Konzerten - am Samstag, 2. Dezember (20 Uhr), im Audimax in Regensburg - viele verschiedene Schichten zu erreichen. Und das mit einem relativ einfachen Konzept. Nämlich möglichst viel und vielfältige Musik in einem Konzert zu vermitteln. Hip Hop, Rock, Jazz, Weltmusik und Klassik. Das alles lässt sich in Konzerten Wendts hören, ergänzt durch profunde und meist humorvolle Erläuterungen des Künstlers.

"Ich habe mir nie zuvor strategisch überlegt, was beim Publikum ankommen könnte. Eher andersrum: Ich habe es so gemacht, wie ich wollte und dann wurde es aus irgendeinem wunderlichen Grund erfolgreich", kokettiert Wendt. Er bekennt, dass er ein "Anwalt der Klaviermusik" sein möchte und die Zuhörer dafür begeistern will. Mehrere Studioalben hat er aufgenommen, gleichwohl sieht er sich in erster Linie als Live-Performer. "Der direkte Kontakt zwischen Publikum und Künstler ist atmosphärisch einfach viel dichter und imposanter als ein Tonträger", erzählt er. Gerade die Atmosphäre bei Konzerten führe auch dazu, dass spontan neue Ideen entstehen. "Natürlich gehe ich mit einem gewissen Gerüst in die Konzerte, aber zwischendrin ist viel möglich", sagt Wendt.

Chuck Berry, Fats Domino, Jerry Lee Lewis - mit all diesen Größen saß der Pianist schon klavierspielend auf der Bühne. Dass er aber überhaupt "entdeckt" wurde, hat er Joe Cocker zu verdanken. Der tauchte Anfang der 80er Jahre eines Abends in der Musikkneipe "Sperl" in Hamburg auf, wo der 18-jährige Wendt ziemlich oft am Klavier saß. "Joe Cocker war das Vorprogramm für den folgenden Tag ausgefallen und hat mich spontan gefragt, ob ich das in der Alsterdorfer Sporthalle übernehmen möchte", erinnert sich Wendt. Bedenken seinerseits habe Cocker sofort zerstreut: "Ich weiß, was meinen Besuchern gefällt - Du bist genau der Richtige!"

Das funktionierte dann tatsächlich sehr gut und Joe Cocker nahm Wendt auf seine Deutschlandtournee mit. "Bei diesem Konzert in Hamburg habe ich das erste Mal gesehen: Hey, ich kann alleine am Klavier Tausende von Leuten unterhalten", sagt Wendt. Unvergesslich bleibt für ihn auch, als sich AC/DC-Gitarrist Angus Young in der Hamburger Kneipe die Westerngitarre geschnappt hat und gemeinsam mit Wendt am Klavier für Stimmung sorgte.

"Kunst des Unmöglichen"

Bei seinem Konzert "Die Kunst des Unmöglichen" in Regensburg dürfen sich die Besucher auf einen Bogen freuen, der sich von bearbeiteten Meisterstücken der Klassik über Juwelen des Jazz und Meilensteine des Blues bis zu Eigenkompositionen im eigenen Stil spannt. Langweilig wird es Wendt nicht werden, wenn seine Tournee am 4. Dezember in Leipzig endet: Ab Ende April 2018 ist er mit dem "Original James Last Orchestra" als Gastgeber und Pianist deutschlandweit unterwegs.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290

Bild: Stiegler

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