"Fliegender Holländer" im Regensburger Bayernhafen
Imposantes Musiktheater unter Industriekränen

Die Architektur des Regensburger Bayernhafens und Videoprojektionen boten eine imposante Kulisse für Wagners "Fliegenden Holländer" in einer Inszenierung des Theaters Regensburg. Bild: Juliane Zitzlsperger
Kultur
Regensburg
16.07.2017
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Das letzte Mal, als das Theater Regensburg eine Neuinszenierung von Richard Wagners "Fliegendem Holländer" präsentierte, nämlich am 23. September 2005, war ganz schön was los. Denn nachdem der hauseigene "Holländer" krankheitsbedingt zwei Tage vor der Premiere absagen musste, fiel nur wenige Stunden vor der Vorstellung auch noch der Ersatz aus, und so musste ein dritter Holländer äußerst kurzfristik aus Weimar eingeflogen werden, der deshalb keine Ahnung von der Inszenierung hatte.

Dieses Malheur blieb den Regensburgern bei ihrer jetzigen "Holländer"-Produktion Gott sei Dank erspart, und dennoch hatte das Theater einige Hürden zu nehmen. Das lag daran, dass der aktuelle Intendant, Jens Neundorff von Enzberg, auf der Suche nach neuen Herausforderungen eine semikonzertante Freiluftproduktion im Westhafen des Bayernhafens initiiert hatte.

Generalprobe ging schief

So kam es einen Tag vor der Premiere bei der Generalprobe aufgrund eines Wolkenbruchs zu einem Stromausfall. Dann aber behielt das alte Sprichwort von der schiefgegangenen Generalprobe recht, und die Aufführung wurde auf ganzer Linie ein Erfolg.

Fangen wir bei dieser gigantischen und deshalb außergewöhnlichen Produktion ausnahmsweise einmal mit der Logistik und dem gesamten Umfeld an. Denn dieser Kraftakt, in einem in Betrieb stehenden großen Frachthafen an der Donau so ein Riesenspektakel mit rund 2000 Besuchern zu organisieren, ist alles andere als ein Kinderspiel.

Schließlich ist es dem Theater Regensburg auf beeindruckende Weise gelungen, hier alles bis ins kleinste Detail durchzudenken und umzusetzen. Das Publikum auf der Nordseite des Hafenbeckens, das philharmonische Orchester auf der Südseite in einem Zelt, der Chor auf einem Schiff und die Vokalsolisten vor dem großen historischen Stadtlagerhaus - allein das schon bot eine imposante Szenerie. Hinzu kam dann noch, dass aufgrund einer vorbildlichen akustischen Abmischung jeder einzelne Ton in hoher Transparenz zu vernehmen war und dass die kreative, auf das Stadtlagerhaus projizierte Videokunst von Andreas Hauslaib beeindruckte.

Unter der Regie und Produktionsleitung des jungen Regisseurs Jona Manow entwickelte sich hier ein Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht. Dem Generalmusikdirektor Tetsuro Ban, der das Orchester ausdrucksstark durch sämtliche Dynamik-Nuancen und Spannungsbögen führte, standen mit Satomi Nishi, Israel Gursky und Levente Török drei weitere Dirigenten zur Seite, die Orchester, Chor, Vokalsolisten und Technik in einen imponierenden Einklang brachten.

Lob für die Sänger

Den Vokalsolisten muss man insgesamt größtes Lob aussprechen. Herausragend agierte Adam Kruzel in der Titelrolle des Holländers durch seine packend sonore Bass-Bariton-Stimme und eine saubere Textartikulation. Aber auch Jongmin Yoon als Kapitän Daland, Aile Asszonyi als Senta, Steven Ebel als Erik, Vera Seminiuk als Mary und Angelo Pollak in der Rolle des Steuermanns standen Kruzel kaum nach. Nicht vergessen sollte man die souveräne Leistung der von Alistair Lilley und Matthias Schlier einstudierten Chöre.

Kreischende Möwen, die kreativ ausgeleuchtete Hafenszenerie und ein stimmungsvoller Abendhimmel boten die Naturkulisse für diese in jeder Hinsicht außergewöhnliche Produktion.
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