26.01.2017 - 16:52 Uhr
RegensburgOberpfalz

Französische Farbfinessen: Lucas Debargue verzaubert das Publikum

Lucas Debargue bandelte schon mit diversen Musen an: Er spielt erst Klavier, dann lieber Rockgitarre. Er studiert in Paris Kunst- und Literaturwissenschaften. Er tritt in Jazzkneipen auf. Er komponiert. Die Tastenmuse gewinnt sein Herz. Dienstags im Audimax darf er beim "Odeon Concert" die Früchte dieser Liaisonen ernten.

Der Pianist Lucas Debargue begeistert seine Kritiker mit seiner "künstlerischen Vision". Am Dienstag konnte man sich in Regensburg davon überzeugen. Bild: Felix Broede/Sony Classical
von Peter K. DonhauserProfil

Feinsinniges Spiel

Die Pianisten können es nicht lassen, sich an originaler Cembalomusik wie der von Domenico Scarlatti (1685-1757) zu versuchen. Leicht verkommen diese delikaten singulären Stücke zu sentimentalen Salon-Schmonzetten oder virtuoser Auslegeware. Lucas Debargue hat die Sonaten Kirkpatrick-Verzeichnis 208, 24, 132 und als einzige in Moll 141 mit ihren vibrierenden Tonrepetitionen ausgewählt. Selten hat man das Cembalo so wenig vermisst wie bei seinem feinsinnigen Spiel, am ehesten bei rasanten Tonleitern wie in K 24, die am Klavier nur geläufig perlen statt klangprächtig zu rauschen. Den Cembalisten hat der Franzose die Kunst stilgerechter Verzierung abgelauscht, ihr sprechendes Spiel, das Atmen mit dem wechselnden Wind der Affekte.

Beethovens hat bei seiner Sonate op. 10/3 an die Klangwelten eines intimen Hammerklaviers gedacht, da sind wir schon etwas aufgerückt zu einem orchestralen Steinway. Als erzählerischen Grundton schlägt Debargue ein wunderbar schwereloses, schier von klarer südlicher Luft durchströmtes Piano an. Es hat nichts von grüblerisch-dumpfer Gedankenlast. Auf dieser Basis leuchten die Akzente, strahlen die Forti. Er hat noch unerhörte Reserven nach unten, zum Pianissimo an der Schwelle zum Nichts.

Kluger Beethoven

Beim Einstieg mit dem Oktaven-Unisono nimmt er Beethovens Piano-Wunsch ernst. Das Largo tangiert die Grenze zu bleierner Schwere, Beethoven wie Czerny raten zu einem weniger erstarrten Tempo. Dennoch: Diese Interpretation präsentiert einen klugen, lebendigen und emotionalen Beethoven mit dessen charakterlichen Extremen, jedoch ohne pathetische Weihe oder herrische Einschüchterung.

Nach der Pause geht es technisch gesehen ans Eingemachte: Maurice Ravels "Gaspard de la nuit" und Franz Liszts "Mephisto-Walzer" setzen allerhöchste Ansprüche. Debargue meistert sie mit geradezu lässiger Leichtigkeit. Chapeau! Im wildesten Tongetümmel gestaltet er noch kleinste Details plastisch und mit höchster Klangfinesse durch. Beim Stück über die Nixe Ondine darf Wasser murmeln, plätschern, strömen, rauschen, sprühen, zu Eis erstarren. Meditativ, beklemmend "Der Galgen", stetig läutet in B das Totenglöckchen. Mystisch, leichtfüßig, unberechenbar, bedrohlich der Kobold "Scarbo". "Pedaltrockeneis-nebelfrei" die bacchantischen Orgien im "Mephisto-Walzer".

Lucas Debargue mit seinen 26 Jahren hat das Zeug zu einem großen Pianisten. Hinreißend charmant die zweite Zugabe, harmlos klassisch beginnend und hinreißend improvisatorisch-jazzig endend.

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