Gabetta und Grimaud im Audimax
Meditation, Emotion, Farbenfülle

Kultur
Regensburg
18.01.2017
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Zwei renommierte Musikerinnen sind Gäste der Odeon-Concerte im Audimax: Die argentinische Cellistin Sol Gabetta (35) und die französische Pianistin Hélène Grimaud (46). Sie präsentieren Musik von Arvo Pärt, Robert Schumann, Claude Debussy und Johannes Brahms.

Eingangs versuchen sich die beiden als Meditationslehrerinnen: Das überschaubare Opus "Spiegel im Spiegel" (1978) von Pärt (geboren 1935) ist typisch minimalistische Musik im "Tintinnabuli-Stil", sie erinnert an zarte Glockenklänge. Als spirituell inspirierte Meditation in F-Dur über Ewigkeit und menschliches Dasein will sie die schweifenden Gedanken auf die Musik zentrieren. Ihre Wirkung als Hustenheiler überzeugt leider wenig. Gabetta und Grimaud vertrauen auf die suggestive Kraft dieser statischen Musik. Sie versuchen nicht, ihr individuellen Willen und emotionalen Ausdruck aufzudrücken, sie bleiben in achtungsvoller Distanz.

Sprache ohne Worte


Es ist eine Herausforderung, diese Glasglocke meditativer Aura mit Schumanns "Fünf Stücken im Volkston" op. 102 weg zu wuchten: Diese sind in der Realität geerdet, sie sind Sprache ohne Worte, Musik mit energischer Klarheit, mit feuriger Leidenschaft, mit persönlicher Empfindung, aber auch voller Fragen und Zweifel. Zu Schumanns sehr schnellen Tempoangaben lassen die beiden Protagonistinnen Luft, das ist der Saalgröße angemessen. Gern gesehener Gast im Hause Schumann war Johannes Brahms. Seine Violinsonate op. 78 hat viele Bezüge zu den Schumanns und ihrem an Höhen und Tiefen reichem Schicksal.

Das Arrangement für Violoncello besorgte Paul Klengel, Bruder des berühmten Cellisten Julius. Er transponierte sie eine Quarte (oder noch eine Oktave) nach unten von G-Dur nach D-Dur. Das Cello darf mit den hohen Lagen der A-Saite strahlen (technisch souverän, bisweilen unnötig schluchzerfreudig: Gabetta).

Die tiefen Register der Cello-C-Saite müssen außen vor bleiben, sonst entstünden fehlerhafte Akkorde. Ein Argument, die beiden austarierten originalen Cello-Sonaten von Brahms vorzuziehen. Dennoch: Wir hören einen leidenschaftlich musizierten Brahms, am Cello mit wunderbar differenziertem Vibrato. Staunenswert, wie scheinbar einfach, klar und transparent der komplexe Klaviersatz unter den Händen von Grimaud erklingt.

Ordnung und Freiheit


Grandios gelingt noch vor der Pause die Debussy-Sonate, da scheinen die Musikerinnen wie zu Hause angekommen: Die Wechsel von komponierter Ordnung und Freiheit, von klar strukturierten wie improvisatorisch freien Melodien, von Reflexion, Emotion und wildem Überschwang ereignen sich (auch handwerklich) auf höchstem Niveau, die Klangpalette sprüht Farben. Die beiden musizieren ohne solistische Attitüden, natürlich, authentisch, charismatisch beseelt. Begeisterung und zwei Duo-Zugaben: Die Etüde op. 25/7 von Chopin und die Cancion Nr. 7 "Polo" von Manual de Falla.
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