18.10.2005 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Gerhard Platiel inszeniert im Regensburger Theater Franz Lehars Operette "Paganini" Gediegene Tradition mit origineller Farbe

von Stefan RimekProfil

Ähnlich wie Michael Bleiziffer bei Kleists "Zerbrochenem Krug" ist es nun auch Regisseur Gerhard Platiel mit der Inszenierung von Franz Lehárs Operette "Paganini" gelungen, am Theater Regensburg eine Produktion auf die Beine zu stellen, die auf einer traditionellen Schiene liegt und gleichzeitig durch originelle Details zu fesseln vermag.

So präsentieren Platiel und sein Ausstatter Walter Perdacher im Theater am Bismarckplatz eine Inszenierung mit prachtvollen Gewändern und Utensilien aus der Biedermeierzeit, und gleichzeitig birgt die Produktion immer wieder packend amüsante Überraschungen.

Da lässt Platiel den Fürsten, verkörpert durch Jin Ho Yoo, schon mal auf Koreanisch fluchen, da bietet sich der Kammervorsteher der Bella Giratti beim Flirt als einkommensstarker Harz-IV-Empfänger an und verzichtet beim Feilschen nicht auf den Werbeslogan "Geiz ist geil" und da spricht Paganinis Agent Bartucci schon mal ehrfurchtsvoll von einer Auftrittsmöglichkeit des Meisters in Bad Abbach. Beeindruckend kreativ ist der instrumentale Soloauftritt des Violinvirtuosen gestaltet. In einem rotierenden Gobo-Lichtkegel agiert begleitet von viel Trockeneisnebel auf der Bühne Konzertmeister Johannes Plewa als Doubel für den von Tenor Charles Hens verkörperten Paganini. Nach seinem Auftritt taucht Plewa geschickt in der Menge der Konzertgesellschaft unter, aus welcher Hens alsbald wieder hervortritt. Die Produktion besticht noch durch zahlreiche weitere raffinierte Details, die dem Ganzen eine packende Würze verleihen. Die Bühnenakteure trugen allesamt zum gelungenen Premiereabend bei. Am beeindruckendsten gestaltete Katharina E. Leitgeb ihren Part als Fürstin. Mit geschmeidiger Stimme lotete sie die auch noch so kleinen Nuancen der Partitur aus und in den Forte-Passagen stellte sie ihr beachtliches Klangvolumen unter Beweis. Ihre verständliche Textartikulation komplettierte ihre Leistung.

Nicht zu verachten ist aber auch das komödiantische Potential, das Karsten Münster in der Rolle des Kammervorstehers mit slapstickartiger Gestik an den Tag legte. Tenor Charles Hens wirkte zu Beginn des Abends stimmlich noch etwas ungeschmeidig, steigerte sich aber im Laufe der Aufführung zunehmend. Gesanglich und schauspielerisch ausdrucksstark geMelanie Schneider als Bella Giretti.

Ein ganz besonderes Lob gilt dem Konzertmeister Johannes Plewa, denn er meisterte die auf der Bühne gespielten, Paganinis Capriccio Nr. 24 entnommenen Auszüge mit Bravour. Das Orchester unter der Leitung von Georgios Vranos und der von Karl Andreas Mehling einstudierte Chor wussten die Partitur eindrucksvoll umzusetzen. Der Applaus im Theater am Bismarckplatz war zurecht intensiv.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.