Glanzlose Premiere der 15. Schlossfestspiele von Thurn & Taxis
"Aida" zeigt die kalte Schulter

Kultur
Regensburg
16.07.2017
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Nur die Krone von Thurn & Taxis auf Schloss Emmeram funkelt kurz in der Abendsonne. Ansonsten bleibt die Premiere der 15. Schlossfestspiele jeden Glanz schuldig. Die eigentlich opulent-glamourös angelegte "Aida" präsentiert sich schlicht und emotional seltsam uninspiriert.

Gewisse Defizite nimmt der Opernfreund bei Freilichtaufführungen von Haus auf, selbstredend, in Kauf: etwa Abstriche bei der Akustik, reduzierte Bühnenausstattung oder eine nicht immer optimale Abstimmung zwischen dem Sänger-Ensemble und dem Orchester.

Wie kaum eine andere Oper lebt Giuseppe Verdis "Aida" (1871 in Kairo uraufgeführt) von der Imposanz der Inszenierung orientalischer Massenszenen, ihren mächtigen Chören, Märschen, Ballett-Szenen: eingebettet in prunkvolles Bühnendekor am Hof des ägyptischen Pharaos und dominiert von einer dramatischen Handlung. Diese Mischung macht "Aida" zu einem Welterfolg.

Den Glamour liefert am Freitagabend allein Fürstin Gloria - im platingrauen Blazer, großformatige Pailletten - mit ihrer phänomenalen Ausstrahlung. In kongenialer Verbindung steht dazu das Ambiente des Schlosses. Für dieses in Ostbayern einzigartige Kunstprodukt erträgt der Besucher bei stattlichen Eintrittspreisen und saftiger Kalkulation der wohlgemerkt professionellen Caterer auch die Launen des mitteleuropäischen Sommers.

Brave Choreographie

Um 19 Uhr ergießt sich über den weißen Zelten und weiß eingedeckten Tischen auf dem grünen Rasen ein heftiger Gewitterschauer. Der prasselnde Regen tropft in die Champagnerkelche ebenso wie in das Pilsglas, auf die Currywurst ebenso wie auf die Scampi: der Niederschlag als großer sozialer Gleichmacher ...

Von ein paar Tropfen abgesehen, bleibt später die dreistündige Aufführung der Staatsoper Prag aber von Wetterunbilden verschont. In respektabler Erinnerung sind die tschechischen Künstler mit Bizets "Carmen" vom Vorjahr. Das "Aida"-Bühnenbild beflügelt mit seinen abstrakten altägyptischen Skulpturen keineswegs sinnenfrohe Träumereien über den Sehnsuchtsort Ägypten, sondern wirkt in seinem Purismus eher wie skandinavischer Minimalismus. Dieser im wahrsten Sinne unterkühlten Optik folgt inhaltlich eine arg brave, sterile Choreographie. Die (eigentlich) überbordende Dramatik der Oper springt deshalb zu keiner Sekunde auf die Zuhörer über, so sehr zügeln die Akteure ihr mimisches Temperament.

Unfreiwillig komisch muten manche Ballettszenen an, als etwa im zweiten Akt zwei Tänzerinnen Exotik bemühen oder die Soldaten während des berühmten Triumphmarsches eine Art Schwerter-Tanz angestrengt zelebrieren.

Sängerisch bieten Solisten und Chor der Staatsoper Prag jedoch eine durchaus ansprechende Leistung. Der starke Chor tritt ambitioniert, stimmgewaltig und voluminös auf. Die Hauptakteure wie Anda Louise Bogza als Aida, Efe Kislali als Radames oder Veronika Hajnova als Amneris und Pavel Svingr als Pharao agieren bemerkenswert souverän und sicher in allen Tonlagen.

Exzellentes Orchester

Ein Sonderlob verdient das Orchester der Staatsoper unter Leitung von Andreas Sebastian Welser. Trotz der Hemmnisse der Freilichtaufführung - direkte "Kommunikation" mit dem Live-Geschehen auf der Bühne nur über Monitore - spielen die Musiker auf höchstem Level, übertönen nie die Stimmen. In machen Passagen hätte es dieser Zurückhaltung gar nicht bedurft. Insgesamt zeigt aber "Aida" - ganz den Temperaturen entsprechend - an diesem Abend die "kalte Schulter".
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