30.06.2006 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Guiseppe Verdis Oper erlebt glänzende Aufführung mit schönen Stimmen am Theater Regensburg "Maskenball" in fesselnder Atmosphäre

von Stefan RimekProfil

Auch wenn der von der Zensur genervte Giuseppe Verdi die Handlung seiner Oper "Ein Maskenball" zunächst widerwillig ins Bosten des ausgehenden 17. Jahrhundert verlegte und den König ebenso widerwillig zum Gouverneur machte, so ist und bleibt das Werk vom Königsmord des schwedischen Königs Gustav III. inspiriert, der im Jahre 1792 auf einem Maskenball erschossen wurde.

Aber die Handlung schuf durch ihre Zeitlosigkeit auch zu Attentaten auf Regenten des 19. Jahrhunderts eine große Nähe, was ja auch der Grund für die Zensur war.

So ist es durchaus schlüssig, das 1858 geschaffene und 1859 uraufgeführte Werk in der Zeit seiner Entstehung spielen zu lassen, wie jetzt unter Regisseur Gregor Horres und Ausstatter Frank Lichtenberg am Theater Regensburg zu sehen. Darauf deuten die Kostüme und einige Details des Bühnenbildes hin. Aber diese Neuinszenierung entbindet sich durch zahlreiche raffinierte Einfälle auch wieder von einer zu genauen Festlegung, was der Zeitlosigkeit des Sujets durchaus entspricht. Die im Theater am Bismarckplatz zu erlebende Produktion schafft eine verdichtete Atmosphäre, welche die tiefen Gefühle unmittelbar transportiert und somit emotional stark zu fesseln vermag. Da beschwört die Wahrsagerin Ulrica den Dämon aus einem Feuerkreis heraus, da verschwindet das gemeine Volk in den Katakomben von Ulricas mystischer Welt durch Luken in den Bühnenaufbauten und da rücken Rampen, auf denen die Protagonisten ihre eindrucksvollen Monologe halten, den pathetischen Gehalt - im wahrsten Sinne des Wortes - ins rechte Licht. Der geschickte Einsatz der Drehbühne unterstützt den dramaturgischen Ablauf beeindruckend und erspart längere Umbaupausen. Ganz wesentlich trugen auch die Bühnenakteure an diesem Premiereabend zum packenden Musiktheatererlebnis bei. Allen voran begeistern Jung-Hwan Choi als König Riccardo und Christina Lamberti als Amelia. Durch die Kraft und Klarheit ihrer Stimmen, aber auch durch den Sinn für noch so kleine dynamische Nuancen, durch eine ausdrucksstarke schauspielerische Leistung und eine verständliche Textartikulation in der italienischen Sprache avancierten ihre Passagen zum Klangerlebnis. Von diesem neuen Duo darf man auch nächstens einiges erwarten.

Aber auch Jin-Ho Yoo als Renato, Jordanka Milkova als Ulrica, Ilonka Vöckel als Oscar und alle anderen Bühnenakteure, inklusive dem von Karl Andreas Mehling einstudierten Chor trugen zum Gelingen bei. Das Orchester unter der Leitung von Georgios Vranos hätte zu Beginn der Ouvertüre vielleicht etwas mehr Schwung vertragen können, agierte dann aber durchwegs sehr präsent und ausdrucksstark in der Vermittlung der Spannungsbögen.

Die sehens- und hörenswerte Produktion erhielt im vollen Haus zurecht lang anhaltenden und intensiven Beifall.

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