27.03.2018 - 17:28 Uhr
Regensburg

Helmuth Steierwald gewinnt dieses Jahr den "Thurn und Taxis Kabarettpreis" Starker Nachwuchs in der "Nacht der Sieger"

Veganer, interkulturelle Reibungspunkte, die AfD: Zündstoff für bissiges Kabarett gibt es derzeit genug. Wobei die Gesellschaft schon aufhorchen sollte, wenn sich ein junger Mensch namens Emir Puyan Taghikhani freiwillig umbenennt in Helmuth Steierwald. Sein Künstlername hat dem Nachwuchstalent mit Integrationswillen jedenfalls nicht geschadet.

Die "Nacht der Sieger": Der "Thurn und Taxis Kabarettpreis 2018" geht an Helmuth Steierwald (links). Ebenso begeistern Peter Fischer, Andrea Limmer, Bumillo und Christina Baumer in der Alten Mälzerei (von links). Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

"Mein Vater ist Iraner. Meine Mutter ist Türkin. Ich bin Helmuth Steierwald." Kaum betritt er die Bühne, hat Steierwald in der Alten Mälzerei in Regensburg die Lacher auf seiner Seite. "Diese Zeile ist demütigend, aber sie lohnt sich", äußert er sich wenig später hinsichtlich seines Geständnisses, den durchaus bequemen BH seiner Exfreundin zu tragen. Helmuth Steierwald gibt alles. Er schreckt vor keiner Demütigung zurück. Er entblößt seinen behaarten Oberkörper. Er stellt sogar die eigene Mutter als Rassistin bloß - "sie bezeichnet Schaumküsse als Negerküsse und isst nur die weißen!" Und er sahnt am Schluss des Abends das ab, wonach viele seiner Zunft streben: Steierwald erhält den begehrten "Thurn und Taxis Kabarettpreis Regensburg " fürs Jahr 2018.

Förderpreis schlechthin

Alle zwei Jahre wird diese Auszeichnung verliehen. In der Szene gilt der "Thurn und Taxis Kabarettpreis" als der Förderpreis für junge bayerische Kabarettisten schlechthin. In Regensburg bekrönt er nun bereits zum zwölften Mal als Finale das Internationale Kleinkunstfestival "United Comedy". "Die Nacht der Sieger" lautet traditionell der Titel des Abends, bei dem eine Reihe vielversprechender junger Bühnenhengste - Andrea Limmer und Christina Baumer sorgen diesmal für die Frauenquote - gegeneinander antreten. Sieger sind sie eigentlich alle. Denn um bei dem Wettbewerb überhaupt antreten zu können, muss man schon einiges auf dem Kerbholz haben.

Neben dem absoluten Gewinner Helmuth Steierwald und der weiblichen Delegation mit Andrea Limmer und Christina Baumer sind diesmal noch zwei weitere Kandidaten dabei: Peter Fischer und Bumillo. Witzig-spritzig sind sie alle. Wobei sich Peter Fischer am Piano besonders in die Herzen der Zuschauer singt. Mit seinen wortgewandten und virtuos am Klavier begleiteten Betrachtungen über die "Zwei-Tasten-Gesellschaft", über Frauen oder über das Verhältnis zwischen Gott und Jesus heimst der Oberbayer den diesjährigen Publikumspreis ein. "Was mich zusammenhält, ist Applaus, deshalb haltet mich aus", hat sich Fischer vorher an seine Zuschauer gewendet.

Zotige Denkanstöße geben die anderen drei Teilnehmer von sich. Auffallend dabei: Der allgemeine Hang zum "Gutmenschentum" in all seinen sozial-nachhaltigen Ausprägungen liefert den Kabarettisten von heute offenbar mehr Inspiration als die politische Lage. Pflichtbewusste Angriffe auf konservativ-rechte Strömungen kommen lediglich von Andrea Limmer und Christina Baumer.

Gelungene Integration

Mehr im Zentrum stehen da schon die Veganer - und zwar als durchaus ernstzunehmende Sache. Bumillo hält zwar noch wacker fest: "Wenn d'Wurscht so dick is wies Brot, dann is wurscht wie dick s'Brot is." Der Oberbayer plädiert gleichsam für eine allerorts erhältliche Beruhigungs-Cabanossi für die vielen "Emporkömmlinge". Christina Baumer hingegen sieht sich schon ernsthaft gefährdet, mit ihrer Wurstsemmel alsbald zu den Rauchern vor die Tür verbannt zu werden.

Optimismus strahlt da von vornherein der spätere Sieger aus. Auf die Frage, ob Steierwald Weihnachten feiere, antwortet der Mittelfranke mit Migrationshintergrund gerne: "Mir stehen alle Türen offen, wenn ich einen Adventskalender ausgefressen habe." Noch mehr dürfte dies nach diesem Abend der Fall sein. Der von der Brauerei Thurn und Taxis gestiftete Kabarettpreis ist nicht nur mit 1200 Euro dotiert. Wie die Bilanz der vergangenen Jahre zeigt, dient die Auszeichnung auch als Sprungbrett für die Karriere des Siegers. Helmuth Steierwald - wenn das mal keine gelungene Integration ist.

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