15.11.2006 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Historisches Museum in Regensburg zeigt Russlandbilder aus vier Jahrhunderten Zarenporträts, Ikonen und Karikaturen

von Susanne WolkeProfil

Russland. Ein Hauch von Exotik schwingt noch heute beim Klang dieses Wortes mit. Bis ins 18. Jahrhundert war das riesige Land im Osten für die meisten Europäer eine bedrohliche Fremde voller Geheimnisse. Kaum jemand hatte Russland je bereist, und auch dessen Bewohner selbst verließen ihre Heimat nur selten.

Eine Ausstellung im Historischen Museum (Dachauplatz 2-4) in Regensburg zeigt bis 4. Februar 2007 Darstellungen Russlands aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. "Die Zarin zwingt den Stier - Europäische Russlandbilder aus vier Jahrhunderten in Regensburg" lautet der Titel der Schau. "Das Thema der Ausstellung ist die Macht und die Satire der Macht", sagte Hermann Goltz bei seiner Einführungsrede. Der Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist Spezialist für russische Ikonographie und hat die Ausstellung gemeinsam mit dem Ost-West-Institut der Universität Regensburg konzipiert.

Gezeigt werden im Historischen Museum einerseits prächtige Kupferstiche, die das politische, religiöse und kulturelle Russland vergangener Jahrhunderte präsentieren. Dazu gehören Zarenportraits, Ikonen sowie Darstellungen aus dem russischen Alltag, etwa die Vergnügungen in der "Butterwoche", dem russischen Karneval. Daneben stehen auf gleicher Augenhöhe politisch-satirische Blätter, die sich über Russland lustig machen: westliche Karikaturen, die im Kampf um die Weltmacht entstanden sind.

Da ist etwa Katharina die Große, die an der Spitze einer Schar europäischer Herrscher in all ihrer opulenten Pracht auf dem britischen Stier sitzt - der bei dieser gewichtigen Gesellschaft schnaubend in die Knie geht. Trotz aller Feindschaft hatten sich Russland und England nach dem Sturm auf die Bastille gemeinsam mit anderen Monarchen gegen das revolutionäre Frankreich zusammengeschlossen.

Großbritannien diente dabei als Zahlmeister für die anti-revolutionäre europäische Union. "Die Zarin zwingt den Stier" lautet der Titel dieser Karikatur, die gleichsam namengebend für die Regensburger Ausstellung war.

Die 160 in Regensburg gezeigten Blätter stammen ursprünglich aus dem Besitz des russischen Sammlers Dmitrij Alexandrovitsch Rovinskij. Der Jurist und kunsthistorische Autodidakt, der von 1824 bis 1895 lebte, musste seine Sammlung im politischen Exil verkaufen. Die russische Journalistin Alla Petrovna stieß Jahre später in Paris auf die insgesamt 500 Kunstdrucke und - selbst eine Emigrantin - brachte diese nach Deutschland. Dort wurde die Sammlung jüngst von der Stiftung der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle aufgekauft.

Auch Wien, Moskau und Istanbul sind an der Ausstellung interessiert, die vom Auswärtigen Amt sowie von der Vertretung der Russischen Föderation bereits als einer der originellsten Beiträge der deutsch-russischen Kulturbegegnungen gewürdigt wurde. In dem zweibändigen Ausstellungskatalog "Alles von Zarin und Teufel" wurde die Rovinskij-Sammlung erstmals vollständig publiziert.

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