29.03.2018 - 15:34 Uhr
Regensburg

In Adlmannstein entsteht ein Schaulager für ausgewählte Künstlernachlässe Ein Zuhause für die Zukunft

Künstler kümmern sich zu Lebzeiten um das eigene Werk. Nach ihrem Ableben ist die Zukunft der Arbeiten oft ungewiss. Für drei Kunstpositionen soll es nun einen Hafen geben: In Adlmannstein errichten Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler ein Schaulager. Dort sollen die Nachlässe von Susanne Böhm, Margot Luf und Max Bresele verwaltet werden.

Von Margot Luf stammt die Skulptur "Jongleurin". Bild: Erich Spahn
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Von Susanne Wolke

Es klingt wie ein Traum: Stöbern in künstlerischen Schatzkästen. Vollgestopfte kleine Wunderkammern auf eigene Faust und ohne Zeitdruck erkunden. Wilma Rapf-Karikari formuliert es noch sinnlicher: "Anfassen. Nähe kriegen. Altes Papier riechen." Diesen Traum für ein Kunstpublikum zu verwirklichen ist das neueste Ziel der Kunstvermittlerin aus Adlmannstein. Und nicht nur das. Vor allem geht es Wilma Rapf-Karikari und ihrem Mitstreiter Ingo Kübler nämlich um eines: künstlerische Nachlässe zu retten.

Im ehemaligen Stadel neben ihrem ebenfalls historischen Wohnhaus in Adlmannstein (Kreis Regensburg) starten die beiden ein neues Großprojekt: Ein "Schaulager für ausgewählte Künstlernachlässe" soll dort zahlreiche Funktionen erfüllen. Dazu zählt: Kunst bewahren. Und Kunst auf besondere Weise präsentieren.

Margot Luf, Susanne Böhm und Max Bresele: Das sind die drei Künstler, um die es hier geht. Exemplarisch greift das geplante Schaulager in Adlmannstein damit ein Problem auf, das jeden Künstler einmal einholt: "Was wird mit meinem Werk, wenn ich nicht mehr bin?"

Dass am Schluss durchaus oft der Müllcontainer steht, ist Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler ebenso schmerzlich bewusst wie den um ihr Werk besorgten Schaffenden selbst. Für Margot Luf, Susanne Böhm und Max Bresele jedenfalls ist nun vorgesorgt. Sobald die Scheune in Adlmannstein umgebaut ist und - dank einer ausgeklügelten Mischung aus Alt und Neu - in blauem Schimmer mit historischem Kern erstrahlt, ist es so weit: Künstlerische Schätze werden hier in atmosphärischem Ambiente und auf moderne Weise gehütet.

Der geplante Aufbau des Schaulagers ist hierfür ideal: An einen großen Ausstellungsraum in der Mitte des Gebäude sollen sich seitlich die Depots der drei Künstler anschließen. Neben groß angelegten Ausstellungen im großen Saal gibt es für Kunstliebhaber dort die Möglichkeit, nach Herzenslust zu schauen und in Mappen mit Originalen zu blättern. "Wir wollen die Geschwindigkeit der Kunstbetrachtung herunterdimmen", erklärt Wilma Rapf-Karikari diesen "erweiterten Zugang zur Kunst". Besucher dürfen sich hier auch alleine und in aller Ruhe umschauen.

In gewisser Weise machen die beiden Initiatoren mit ihrer neuen Idee an dem Punkt weiter, an dem sie Ende des vergangenen Jahres aufgehört haben. 25 Jahre lang haben die Galeristen den Kunstpartner-Kalender herausgegeben. Eine Zeit, in der sie Monat für Monat die Werke regionaler Künstler unter die Menschen brachten.

Ähnliches gilt nun für die Nachlassverwaltung. Die liegt bei Rapf-Karikari und Kübler in professionellen Händen. Neben der Präsentation ihrer Schützlinge arbeiten die beiden auch an Publikationen über den jeweiligen Künstler, verkaufen weiterhin - und behalten ausgewählte Schlüsselwerke bewusst bei sich.

Die drei Künstler, die hierfür ausgewählt wurden, kamen auf unterschiedliche Weise in die Obhut nach Adlmannstein. Den Beginn machte Susanne Böhm. Der Nachlass der verstorbenen Künstlerin befindet sich seit 17 Jahren bei Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler und wird dort sorgfältig betreut. Hinzu kommt Margot Luf. Die Künstlerin, die Adlmannstein ihr Werk schon zu Lebzeiten anvertraut, hat die Zukunft ihrer Arbeiten somit gesichert. Susanne Böhm arbeitete in einem "verhaltenen Neoexpressionismus". Margot Luf zählt als ehemalige Assistentin Lothar Fischers zur zweiten Generation der Künstlergruppe "Spur".

Fehlt noch Max Bresele. Bei der Verwaltung seines Nachlasses arbeiten Rapf-Karikari und Kübler mit Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden zusammen. Er hat gerettet, was "die künstlerische Ausnahmeposition", so Rapf-Karikari, hinterlassen hat: Max Bresele, "ein künstlerischer Tausendsassa", führte malend, filmend und Objekte bauend Zeit seines Lebens einen künstlerisch-politischen Kampf - sei es gegen die WAA oder gegen die Wegwerfgesellschaft.

Alle drei Lebenswerke sollen in Adlmannstein nun gemeinsam verwaltet werden. Bei der Realisierung künstlerischer Projekte sind Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler alte Hasen. Zur Finanzierung greifen sie unter anderem auf ein bereits beim Kunstpartner-Kalender bewährtes Konzept zurück: Jeder kann hier zum Mäzen werden - sei es durch den Erwerb eines Kunstwerks oder als reiner Spender. Vielleicht ist ja auch das der Traum manch eines Kunstliebhabers.

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Weitere Informationen:

www.kunstpartner.eu

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