07.02.2018 - 20:00 Uhr
Regensburg

Institut für Kunsterziehung präsentiert Plastiken von Susanne Kassalitzky Wachs, Traubenzucker und Knochenleim

"Susanne Kassalitzky wählt ihre Werkstoffe mit großer Sensibilität und Kreativität aus", bescheinigt Birgit Eiglsperger vom Institut für Kunsterziehung der Uni Regensburg ihrer ehemaligen Schülerin. In der Sigismundkapelle präsentiert die Preisträgerin ihre Werke.

"Ein Paar heiße Würstchen" betitelt Künstlerin Susanne Kassalitzky dieses Porträt von sich und ihrem Mann. Die beiden Köpfe aus Wachs und Wolle stehen auf einer Kochplatte. Viele ihrer Plastiken stellen Familie oder Freunde dar. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

Traubenzucker, Trocknerflusen, Muttermilch: Mit zwei kleinen Söhnen im Haus hat die Künstlerin gleichsam einen verlässlichen Quell für mancherlei Rohstoffe. Doch Susanne Kassalitzky verarbeitet nicht nur ihren Familienalltag. Bei Collagen aus Farbe und Flusen geht es zwar durchaus mal um die Bewältigung der täglichen Wäsche. Zum reichen Repertoire an Materialien der Künstlerin gehören aber auch Wachs, Blei, Erde, Knochenleim oder Haare. Damit porträtiert Kassalitzky Menschen aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis. Ihre Arbeiten bewegen sich dabei zwischen Augenzwinkern und Gruselfaktor.

Für ihr faszinierendes Oeuvre erhielt Kassalitzky bereits vor zwei Jahren den Kunstpreis des Instituts für Kunsterziehung an der Universität Regensburg. Die Auszeichnung wird alle drei Jahre an einen Absolventen des Instituts vergeben - aufgrund eines "herausragenden, künstlerischen Profils", lautet die Begründung von Instituts-Leiterin Birgit Eiglsperger.

Eine Art Tagebuch

Nun zeigt die Preisträgerin ihre Arbeiten in der Regensburger Sigismundkapelle. Im Kunstraum der Volkshochschule, im Thon-Dittmer-Palais, ist bis Ende Februar ein Einblick in ihr Werk zu sehen. Gezeigt sind Plastiken, Collagen und Materialinstallationen. Die Ausstellung gleicht einer Art Tagebuch der Künstlerin. Sie gibt darin viel von ihrem persönlichen Leben preis. Im Mittelpunkt stehen ihre Kinder. Den Kopf eines Säuglings formt Kassalitzky aus Wachs, Knochenleim, Haaren und Muttermilch und steckt ihn anschließend unter eine Käseglocke. Die Mutter thematisiert darin den Zwiespalt zwischen grenzenloser Liebe und Freiheitsverlust.

Feine Ironie der Materialien

Der ältere Spross hingegen scheint unerschrocken jede Hürde zu erklimmen. Auch ihn hält Kassalitzky bei dieser Tätigkeit plastisch fest - und mischt dem Energiebündel Traubenzucker bei. "Manchmal ziehen wir beide an einem Strang", heißt es bei einer Collage, in der sich die Preisträgerin gemeinsam mit ihrem Mann zeigt. Die wackeren Eltern placken sich mit der Wäsche ab - dem Bild sind Trocknerflusen beigemischt.

Die feine Ironie ist für die Künstlerin ebenso bezeichnend wie ihre ungewöhnliche Palette an Materialien. Dabei sind ihre Porträtdarstellungen optisch nahe an der Realität und virtuos ausgearbeitet. Wenn auch stets mit offenen, bisweilen zerstörten Oberflächen. Kassalitzky geht es um die Verletzlichkeit des Individuums - daher auch die Vorliebe für organische und somit vergängliche Werkstoffe.

Einen dieser Stoffe dürfte die Künstlerin bald wieder zur Verfügung haben: Kassalitzky erwartet ihren dritten Sohn. Das bedeutet noch mehr Inspiration - und auch wieder Muttermilch.

Die Ausstellung läuft bis Mittwoch, 28. Februar, im Kunstraum der Sigismundkapelle im Thon-Dittmer-Palais, Haidplatz 8, in Regensburg. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 17 bis 19 Uhr und Samstag von 11 bis 16 Uhr.

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Weitere Informationen:

www.regensburg.de/sigismundkapelle

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