Johann Georg Hämmerls Ortsansichten
Die Oberpfalz vor 200 Jahren

Zahlreiche Mitarbeiter freuen sich über das neue Buch mit historischen Ortsansichten der Oberpfalz. Von links: Autorin Dr. Margit Berwing-Wittl, Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, Herausgeberin Sabine Tausch, die Autoren Bernhard Lübbers und Gabriele Schneider, Josef Roidl und Wolfgang Benkhardt vom Battenberg-Gietl-Verlag und vom Buch- und Kunstverlag Oberpfalz sowie Herausgeberin Karin Geiger. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
19.12.2016
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Ein neues Buch präsentiert Johann Georg Hämmerls Ortsansichten an der Schwelle zum 18. Jahrhundert. Die Präsentation in Regensburg machte deutlich, welcher Schatz die Leser erwartet.

"Die historischen Ortsansichten aus der Hand Johann Georg Hämmerls sind ein bisher relativ unbekannter Schatz", findet Sabine Tausch vom Museum der Stadt Regensburg. Dabei sind die fein gearbeiteten Bilder des Oberpfälzers, die nun anhand eines Buches verbreitet werden, eigentlich ein Dauerbrenner - und das seit mehreren hundert Jahren. Zwischen 1798 und 1803 brachte der Künstler Ansichten von mehr als 40 Ortschaften aufs Blatt. Die meisten davon befinden sich im Gebiet der Oberpfalz - und zwar im damaligen Oberpfälzer Teil Pfalz-Neuburgs. Städte, Märkte, Klöster und Adelssitze, eingebettet in eine von Hügeln, Flüssen, Wäldern, Äckern und Weiden geprägte Landschaft: In großem Detailreichtum zeigen die Bilder die Oberpfalz der vorindustriellen Zeit.

Inszenierung der Oberpfalz

Konkrete Informationen zum Entstehungshintergrund der Bilder gibt es kaum. Bei der "Oberpfälzischen Kreisausstellung" im Jahre 1910 allerdings wusste man die schon damals hundert Jahre alten Ansichten zu nutzen. Damals verwendete man die ansprechenden und mit zahlreichen Schlössern und Kirchen versehenen Bilder zur Inszenierung einer Oberpfalz zwischen Tradition und Aufbruch. Die Grafiken sollten zeigen: Die Oberpfalz ist nicht alleine durch Landwirtschaft und Rückständigkeit geprägt. So wurde sie in den Reiseberichten jener Zeit nämlich gern beschrieben.

Noch mal hundert Jahre zogen ins Land, bis im Jahre 2010 die Bilder abermals in Regensburg gezeigt wurden. Das Historische Museum präsentierte Johann Georg Hämmerls Grafiken damals bei einer Ausstellung - und erntete damit große Begeisterung des Publikums. Das war ein Grund, warum das Historische Museum nun ein Buch nachliefert. "Historische Ortsansichten des Oberpfälzers Johann Georg Hämmerl (1770-1838)" lautet der Titel des Bandes. Sabine Tausch und Karin Geiger haben das Buch im Auftrag der Museen der Stadt Regensburg im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz im Battenberg-Gietl-Verlag herausgegeben.

Oft die erste Abbildung

Somit sind die Bilder Hämmerls, die sich teils im Bestand des Historischen Museums Regensburg, teils in Privatbesitz befinden, in einem Art Nachschlagewerk bequem zugänglich. Burglengenfeld, Etterzhausen, Hemau, Kallmünz und Regenstauf: Bei vielen der gezeigten Ortschaften handelt es sich um die erste Abbildung überhaupt. Für Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl sind die Ansichten daher "von fast unschätzbarem Wert für die lokale Heimatforschung".

Viel Neues könne man erfahren bei der Betrachtung der Bilder. Interessant etwa die hohe Dichte von Zäunen, die das Vieh an der Schwelle zum 19. Jahrhundert noch auf die Weiden leiteten. Einige Ansichten müsse man als Historiker vielleicht revidieren. Zum Beispiel: "Wo sind die vielen Flurdenkmäler, die man dieser Epoche eigentlich zuschreibt?", fragt sich Appl.

Großer Erkenntnisgewinn

Auf den Ansichten Hämmlers jedenfalls sind sie nicht zu sehen. Dass der Künstler die Bilder wohl nicht vor Ort anfertigte, lassen gewisse Unstimmigkeiten hinsichtlich der Anordnung von Gebäuden vermuten. Dennoch: "Die erhaltenen Informationen liefern einen essenziellen Erkenntnisgewinn über die im Lauf der Zeit erfolgten Veränderungen." Und zwar nicht nur für Heimatpfleger Appl und seine Kollegen aus der Wissenschaft. Mit dem Buch wird ein Schatz in die Hände der Öffentlichkeit gelegt.

Das Buch "Historische Ortsansichten des Oberpfälzers Johann Georg Hämmerl (1770-1838)" ist im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz im Battenberg-Gietl-Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro.
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