Joja Wendt serviert in Regensburg Klaviermusik-Entertainment vom Feinsten
„Piano Man“ der außergewöhnlichen Art

Joja Wendt verlieh dem Steinway-Flügel im Audimax immer wieder neue Facetten
Kultur
Regensburg
03.12.2017
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Raus aus der Nischen-Musik und die Menschen abholen, um Begeisterung für Klaviermusik unterschiedlicher Stile zu wecken: Joja Wendt ist mit diesem Bemühen zum erfolgreichsten Pianisten Deutschlands geworden. Und auch sein Auftritt im Regensburger Audimax am Samstag verzückt die Zuhörer aller Generationen.

Es ist ein stimmiges Konzept, mit dem der Hamburger Wendt durch die Lande zieht. "Die Kunst des Unmöglichen" ist sein Programm überschrieben, eine Show, in der er nicht nur bravourös am Steinway-Flügel spielt, sondern in der er auch über die Stücke und die Musik erzählt. Er bindet das Publikum ins Programm ein, spricht mit ihm und reagiert auch spontan auf Zwischenrufe. Mit einem Klassiker startet Wendt in den Abend, schon Edvard Griegs "Morgenstimmung" belegt das Können des Pianisten. Mit musikalischen Grenzen hält sich Wendt gar nicht erst auf - warum auch? Für ihn gibt es sie nicht. Natürlich hat er einen Stil, aber es ist sein eigener, sein individueller Stil. Ein gutes Beispiel dafür ist seine Version von Rimski-Korsakows "Hummelflug", die den Zuhörer an sich schon atemlos macht. Zusätzlich unterlegt er sie noch mit einem "hart gechillten und dreckigen Hip-Hop-Groove", eingetaucht wird das alles in eine stimmige Lichtchoreographie.

Wendts Konzert ist etwas für ein breites Publikum - vom vielleicht achtjährigen Mädchen in der zweiten Reihe bis hin zum reifen Klaviermusikliebhaber, der kein Konzert auslässt. Sie alle macht der Norddeutsche an diesem Abend glücklich - mit dem jazzigen "Tiger Rag" über Vivaldis "Sommer" bis hin zu Werken im Stile von Joja Sebastian Bach. Dass Wendt äußerst kreativ ist, zeigt sich beim Spiel auf den weißen und schwarzen Tasten - ein Spiel, das übrigens per Kamera auf eine Leinwand übertragen wird. So bekommen auch die Besucher in der letzten Reihe noch ganz nah mit, wie flink und filigran Wendt die Tasten anschlägt. Dafür nimmt er dann auch einmal selbstgebaute Holzgeräte her, klopft mit der Faust oder stupst die Tasten mit der Nase an. Das hat schon eine gehörige Prise von Entertainment.

Zwischendrin streut er Anekdoten aus der eigenen Karriere ein - beispielsweise, als er von Joe Cocker in Hamburg in der Stammkneipe "entdeckt" wurde, tags darauf das Vorprogramm bei dessen Konzert bestritt und anschließend mit ihm auf Deutschland-Tour ging. Beim "Regenlied" bringt sich das Auditorium mit Tropfen, Wind und Donner ein.

Auf der Leinwand werden im Laufe des Abends Jiggs Whigham und sein "Berlin Jazz Orchestra" zugeschaltet. Der Dirigent probt gerade mit seiner Big Band und unterbricht diese, um Wendt für zwei Stücke zu begleiten - und auf einmal gibt es richtigen Big-Band-Sound zu "Lady Madonna". Ihren großen Auftritt haben auch John und Evelyne aus Furth im Wald: Sie dürfen bei der Showeinlage mit fünf unterschiedlich gefüllten Wassergläsern ihr Können zeigen. Zum Abschluss "Standing Ovations" für diesen "Piano Man" der besonderen Art.
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