21.07.2008 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Juan Diego Flórez und das Georgische Kammerorchester huldigten bei den Schlossfestspielen dem ... Singen, das an die Seele rührt

von Susanne WolkeProfil

Er gilt als der derzeit weltbeste Tenor, er ist berühmt für sein hohes C, und er übertraf in Regensburg alle Erwartungen: Juan Diego Flórez, "tenore di grazia", war am Freitag schillernder Mittelpunkt der Operngala auf Schloss Thurn und Taxis. Gemeinsam mit dem Georgischen Kammerorchester unter dem Dirigenten Alessandro Vitiello trat der peruanische Opernsänger im Rahmen der Schlossfestspiele auf.

"Belcanto spectacular" heißt die aktuelle CD des 35-Jährigen, und diese Umschreibung traf auch auf das Programm des Regensburger Abends zu: Mit Arien von Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti und natürlich Gioacchino Rossini huldigte Flórez dem Belcanto auf spektakuläre Weise. Die Werke der italienischen Komponisten trug er mit einer Leichtigkeit vor, die zweifellos selbst Rossini zum Umdenken gebracht hätte. Hätte der Meister des Belcanto geahnt, wie unangestrengt Flórez einst auch die höchsten Sphären der Tonleiter erklimmen würde, dann hätte er den Niedergang des Kastratenwesens hinsichtlich des "schönen Gesangs" vielleicht etwas weniger bedauert.
Schon bevor das Regensburger Konzert mit dem heiß ersehnten und von halsbrecherischen hohen Cs gespickten "Amici miei" aus Donizettis "Figlia del reggimento" seinen grandiosen Abschluss fand, lieferten Flórez und das Georgische Kammerorchester einen musikalischen Höhenflug, der in jedem Zuhörer Glücksgefühle erwecken musste. Flórez' vollkommener Tenor war geradezu körperlich zu spüren. In beglückender Harmonie begleitete das seit 1990 in Ingolstadt beheimatete Georgische Kammerorchester den Opernstar, trug dessen Stimme auf sanften Steicherklängen und umschmeichelte sie mit verspielter Virtuosität.

Die ganze Kraft seines Könnens brachte das Orchester durch die Instrumentalstücke zum Ausdruck, die ebenso auf dem Programm standen. Ob Bellinis Sinfonie aus "Capuleti e montecchi", die das Publikum gleich zu Beginn des Abends ebenso klanggewaltig wie zart in ihren Bann schlug, ob Rossinis "Pas de Six" aus "Guillaume Tell", oder ob Donizettis Sinfonie aus "La Favorita": Der Schwerpunkt lag auf der romantischen italienischen Oper.
Eine geballte Ladung von Gefühl hing an diesem Abend in der Luft. Angefangen bei Alessandro Vitiello, der sein Orchester voller Leidenschaft zu führen wusste, über das Publikum, das die Künstler mit stehendem Applaus und Rosen schwenkend feierte, bis hin zu Juan Diego Flórez natürlich. Dieser betörte die Zuschauer nicht nur durch sein "Singen, das an die Seele rührt", so die ausdrückliche Anforderung an die Interpreten des Belcanto. Auch seine paar Brocken Deutsch brachten die Musikliebhaber zum Dahinschmelzen. "Ich bin sehr glücklich, dass ich hier mit euch bin", so der Weltstar und geizte nicht mit Kusshänden.

Ganz nebenbei: Solch ein Tenor macht sich in heißblütig-südamerikanischer Erscheinung natürlich besonders gut. Ein schmachtvoller Augenaufschlag, ein Griff mit der Hand ans Herz, ein bekümmerter Blick gen Himmel, wo gerade ein Hubschrauber vorbeibrummt: Wenn Juan Diego Flórez von der amore und von den donne sang, dann war er mit Leib und Seele bei der Sache. Tragik legte er ebenso in seinen Gesang wie schelmischen Witz. Letzterer kam vor allem bei der dritten Zugabe zum Ausdruck. Mit "La donna e mobile" aus Verdis Rigoletto entzückte Flórez das Publikum und zollte gleichzeitig dem vierten großen Meister des Belcanto des 19. Jahrhunderts Tribut.
Was die Zuschauer zu begeistertem Applaus hinriss, ist für Juan Diego Flórez selbst "ein Klacks", wie er unlängst verlauten ließ. "Mama Natur hatte bei mir einfach einen guten Tag", äußerte er sich zu seinem legendären hohen C. Ehrfürchtiger Respekt vor den Meisterwerken, die er singt, scheint sowieso nicht sein Ding zu sein. In manchen Ohren klängen die hohen Cs wie ein Jodeln, erklärte er dem Publikum. "Sie können sich aussuchen, was es ist."

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