Jürgen Huber, Künstler und Gründer des Kunstvereins "Graz", tritt in Regensburg für die Grünen ...
"Die fortschrittlichen Köpfe werden zu oft gebremst"

Maler und Macher: Jürgen Huber tritt in Regensburg als Oberbürgermeister-Kandidat der Grünen an. Er verfügt nicht nur über vielfältige Erfahrungen als Kunstorganisator, in den letzten fünf Jahren hat er sich als Stadtratsmitglied intensiv eingearbeitet ins kommunalpolitische Kleinklein. Bild: Geiger
Kultur
Regensburg
04.05.2013
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Ein Künstler als Politiker? Ein Kreativer als Verwalter? Ein Ideen-Springbrunnen als Macher? Die Grünen in Regensburg haben wohl einen Sinn für Schnittmengen: Denn mit Jürgen Huber kürten sie nicht nur einen Kunstschaffenden zu ihrem Spitzenkandidaten bei den Kommunalwahlen im März 2014.

Mit dem 59-Jährigen gebürtigen Altenstädter haben sie auch einen erfahrenen Kunstorganisator an ihre Spitze gestellt, einen Mann, der nicht nur den Kunstverein "Graz" gegründet und jahrelang angeführt hat, sondern auch die Kulturhauptstadt-Bewerbung der Donau-Metropole vorangetrieben hat. Die Kulturredaktion hat mit Jürgen Huber darüber gesprochen, wie sich Kunst und Politik gegenseitig beeinflussen und ergänzen.

Sollte es Ihnen gelingen, Regensburger OB zu werden - wird dann auf einem Erdenfleck der Menschheitstraum vom Philosophen-König wahr?

Jürgen Huber: Wir wissen ja, dass in der Gelehrten-Republik andere Probleme auftauchen als in einer Technokratie: Die Herausforderungen bleiben also immer! Und zum Königtum zurück? Das wollen wir nicht, denn auch der Philosoph auf dem "Hohen Stuhl" bleibt halt ein absoluter Herrscher. Bei uns soll das Volk der Souverän sein. Das ist der Auftrag an die Politik. Weshalb ich mich auch möglichst großer Transparenz und der Partizipation der Menschen verpflichtet fühle.
Die Regensburger SPD mit Spitzenkandidat Joachim Wolbergs strahlt in bedenklicher Frühform, und die CSU ist sich vor allem im Streit einig. Könnten am Ende die Grünen lachende Dritte sein?

Huber: Ich denke nicht zuerst an die Machtfrage. Wir wollen sachorientierte, gute Lösungen für möglichst alle, nicht nur für kleine Gruppen, die ihre Interessen besonders gut vertreten können. Dabei darf die Lebensumwelt, die selber keine Lobby hat, nicht zu kurz kommen, denn sie ist die absolut unverzichtbare Grundlage für alles Leben und Wirtschaften. Wenn wir - Stichwort Fukushima - aus Gewinninteresse den Globus zerstören, stellt sich irgendwann keine Macht- und auch keine Stilfrage mehr!

Im "Graz"-Kunstverein fragten Sie kürzlich nach Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung in der Kunst. Welche Lehren zieht denn der Politiker Jürgen Huber daraus?

Huber: Technischer Fortschritt und seine ästhetischen Implikationen sind für mich seit jeher faszinierend. Die Digitalisierung steht aber erst am Anfang einer ganz großen Umwälzung. Technologie muss, wie alles andere auch, dem Leben dienen, sie muss schön sein, sie darf das Leben nicht gefährden oder nicht mal nur zu ästhetischer "Verschlampampung" führen. Technologie muss wie ein Arzneimittel auf seine Folgen geprüft werden. Wir werden doch nicht so dumm sein und uns zu Sklaven von Apparaten machen! Was mich begeistert, das ist die Möglichkeit von Arbeitsersparnis durch Automation oder auch die faszinierenden Technologien der "Erneuerbaren".
Und wie sieht dann nach Ihrer Ansicht eine ökologisch grundierte Politik in einer 150 000-Einwohnerstadt am Beginn des 21. Jahrhunderts aus?

Huber: Eine Stadt wie Regensburg hat viel zu bieten - und zugleich viel schlummerndes Potenzial. Die "Michatn", wie wir Oberpfälzer sagen, die fortschrittlichen Köpfe werden aber viel zu oft gebremst. Die Mobilitätsnotlage muss dringend und endlich intelligenter gelöst werden, als nur durch immer mehr Straßen. Eine Stadtbahn würde sehr viel bringen, für das Oberzentrum und das Oberpfälzer Umland, weit über den Landkreis hinaus. Kunst und Kultur in ihrer herausfordernden Innovationsfähigkeit sind wichtige Bildungsfelder des 21. Jahrhunderts.

Eine internationale Kunsthalle, eingebunden und mitten in einem Kreativ-Cluster, würde die Arbeitsplatzdiversifikation mit enorm attraktiven Angeboten voran bringen, die Stadt noch bunter, liberaler und toleranter machen und sogar den technologischen Vorsprung füttern.

Und was liegt dem Kulturpolitiker Jürgen Huber besonders am Herzen?

Huber: Zur Beantwortung dieser Frage kann im Stadttheater Regensburg der Berliner Oberpfälzer Werner Fritsch beitragen. Künstler waren oft die Ingenieure der gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen und des anderen Blickes. Die "Mint"-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik allein, sie werden nicht ausreichen für ein gelingendes Leben!
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