19.04.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Julia Schmidt aus Leipzig ist der zweite Gast der neuen Ausstellungsreihe LABOR in der ... Widerspruch um Massenphänomen und Kunst

von Susanne WolkeProfil

Die Leipziger Schule: Dieser Begriff steht für rein gegenständliche Malerei. Julia Schmidt scheint da eine Ausnahme zu sein. Wenn die Absolventin der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst eine blau-weiße Fläche mit Sprenkeln malt, dann wirkt das auf den ersten Blick abstrakt.

Doch der Eindruck täuscht. Darauf verweist spätestens ein Blick auf das Titelschildchen: "Cheerleader" hat die Künstlerin hier dargestellt - genauer gesagt deren Rocksäume. "Das ist schon eine ziemlich abstrakte Komposition", gibt Julia Schmidt zu. Aber gerade um diesen Widerspruch zwischen Titel und tatsächlich Dargstelltem geht es ihr.

"Tourism and Painting"

Scheinbar Gegensätzliches zu vereinen, das ist der Anspruch, der sich durch das Schaffen der 30-Jährigen zieht. Bemerkbar ist dies auch in der neuen Ausstellung der Ostdeutschen Galerie: "Julia Schmidt. Tourism and Painting" heißt die Schau, die im Regensburger Kunstforum eröffnet wurde. Und wer sich über den Titel wundert, dem sei gesagt: Massenphänomen und hohe Kunst, das ist ein Widerspruch, der hinterfragt werden sollte. "Julia Schmidt spielt mit der Wahrnehmung des Betrachters", sagt Museumsdirektorin Dr. Ulrike Lorenz. "Sie entzieht dem Betrachter nicht nur das Motiv, sondern auch den Boden unter den Füßen seiner eigenen Erwartung."

Dazu gehört auch die Präsentation. Denn ebenso wie kaum ein Betrachter bei dem Titel "Cheerleader" eine blau-weiße Fläche erwartet, rechnet man beim Besuch einer Ausstellung auch nicht mit Bildern, die lose auf Tapeziertischen liegen. Genau das ist aber in Regensburg der Fall. "Ich überlege mir für jede Ausstellung ein eigenes Konzept", erklärt Julia Schmidt. Und im Falle Regensburg hängen die Bilder eben nicht nur bequem an der Wand. "Der Betrachter muss sich über die Tische beugen", so die Künstlerin. "Da schaut man ganz anders hin. Man muss die Bilder lesen."

Was es da zu lesen gibt, ist teilweise recht unterschiedlich: Farbflächen, Muster, dann aber wieder Bilder, deren Motive sofort erkennbar sind - Bäume, eine Vogelscheuche, ein Frauenportrait. Julia Schmidt spielt mit der Wahrnehmung des Betrachters. Aber auf recht unterschiedliche Weise. Mal fokussiert sie den Blick so stark auf Details, dass der ursprüngliche Gegenstand abstrakt erscheint. Bei dem gegenstandslosen Schwarz-Weiß des Gemäldes "Woodworm" etwa verweist einzig der Titel darauf, dass hier ein wurmzerfressenes Holzbrett als Vorlage gedient hat.

Veränderte Wirkung

Andere Bilder heben ursprünglich banale Bildgegenstände so stark hervor, dass diese ihre Wirkung ändern. Die filigrane Darstellung eines scheinbar kostbaren Tuches erinnert nicht mehr daran, dass hier ein eigentlich nebensächliches Element aus einem Bild von Edgar Degas gezeigt wird: Von der Bettlerin ist nur noch das Tuch übrig geblieben.

Mit der Ausstellung "Tourism and Painting" setzt das Regensburger Kunstforum sein neues Ausstellungsformat LABOR fort. Nach Christian Tomaszewski ist Julia Schmidt der zweite Gast dieses Projekts, das ein Forum für junge internationale Künstler bieten will. Die Ausstellung von Julia Schmidt war in etwas anderer Form bereits im Museum der Bildenden Künste in Leipzig zu sehen. Anlass war der Kunstpreis der Sachsen LB, den die Künstlerin im vergangenen Jahr erhalten hat.

"Tourism and Painting" ist bis zum 13. Mai im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Informationen unter Tel. 0941 29714-0 oder www.kunstforum.net . Am 19. April und am 10. Mai finden um 19 Uhr Führungen durch die Ausstellung statt.

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