20.03.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Kleine Galerie" in Regensburg zeigt Arbeiten des Amberger Künstlers Günter Dollhopf Wuchtig und schwebend: Plastiken aus Papier

von Susanne WolkeProfil

Ein Gemälde ist ein Gemälde, und eine Skulptur ist eine Skulptur. Klar. Aber so einfach ist die Trennung nicht immer. Eine Verbindung der beiden Gattungen könnte konsequenterweise "Gemäldeskulptur" heißen. Oder auch "Malplastik". So nennt Günter Dollhopf die Papierobjekte seines aktuellen Werkzyklus. Einige davon sind bis Mitte Mai in der "Kleinen Galerie" (Gesandtenstr. 16) in Regensburg zu sehen.

Der in Amberg lebende Künstler schafft Plastiken aus Papier. Die reliefartigen Figuren sind bemalt, stecken in Rahmen und hängen wie Bilder an der Wand. Fast amorph anmutende Figuren sind es, die da aus dem Papier hervorquellen. Organische Formen, teils prall, teils faltig. "Alles menschliche Körper", sagt Günter Dollhopf.

Seit den 1960-er Jahren widmet sich der emeritierte Professor der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg der menschlichen Gestalt. In unterschiedlichen Techniken und mit vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten. Mit den "Body-Bildern" ging es los, und seitdem tauchen die mitunter monströsen Formen dieser frühen Schaffensphase immer wieder auf im Werk Günter Dollhopfs.

So auch in den "Malplastiken". Die Technik dafür hat Dollhopf selbst entwickelt: Er zeichnet zunächst die Umrisse einer Figur aufs Papier, taucht den Bogen dann ins Wasser und knetet anschließend in dem feuchten Material die Formen aus. Beine, Arme, Rümpfe und - sehr häufig - "Ärsche".

Nicht immer sind die einzelnen Gliedmaßen in diesen fleischbergänlichen Gebilden deutlich zuzuordnen. Ein Körperteil kann ein Arm sein, aber auch ein Zahn mit Wurzel. Verschiedene Interpretationen sind dabei ganz im Sinne des Künstlers: "Man soll hinschauen und Sachen selbst für sich entdecken", so die Anforderung Günter Dollhopfs an den Betrachter. Und daher haben auch die Titel der Papierreliefs nicht zu verwundern. "Jet" heißt eine Darstellung mit schwebenden Körperteilen -"Flugzeug".

Das Schwebende ist vielen Werken Dollhopfs gemein. Seine "Malplastiken" schweben trotz ihrer körperlichen Wucht über den Sockeln, die ins Relief mit eingearbeitet sind. Und auch auf den Gemälden befinden sich die kolossalen Körper oft in der Luft. Zwei dieser Bilder sind neben den Papierobjekten in der "Kleinen Galerie" in Regensburg zu sehen: "Schorschdabbljuh III" und "Schorschdabbljuh IV". "Die habe ich in der Zeit gemalt, als er mich geärgert hat", kommentiert Dollhopf seine wenig schmeichelhaften Darstellungen des US-Präsidenten. "So sieht er für mich aus. Er ist krank, und was er tut, macht auch die Menschen krank."

Der Künstler hat bei einem der "Portraits" die bereits früher verwendete Form einer schwebenden Körperwucherung aus Rumpf und Oberarm wieder aufgegriffen und sie zudem mit Flecken und Furunkeln versehen. "Das mache ich gerne", sagt er, "dass ich die Herrschaften in meine Formen einkleide."

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