07.10.2006 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Komödie "Honigmond" begeistert bei der Premiere im Regensburger Turmtheater Drei Frauen und die Männer

von Susanne WolkeProfil

"Rock Hudson hält Doris Day immer die Türe auf. Und dann singt er ihr ein Lied, und dann macht er ihr einen Heiratsantrag. Und dann bügelt sie seine Hemden. Ich pfeife auf die Emanzipation!" Frauengespräche - und das 80 Minuten lang am Stück, kurzzeitig unterbrochen von Männerstimmen, die sich auf dem Anrufbeantworter zu Wort melden: In der Komödie "Honigmond" entstehen Schweigepausen höchstens einmal durch einen Schluck aus dem Champagnerglas oder durch gemeinsames andächtiges Lauschen einer Robbie Williams-CD. Das Stück hatte am Donnerstag Premiere im Regensburger Turmtheater.

Ein Wunschtraum

Es ist schon interessant, was dabei herauskommt, wenn zwei Männer ein Theaterstück über Frauen machen. "Honigmond" stammt aus der Feder von Gabriel Barylli, einer der erfolgreichsten Autoren, Regisseure und Schauspieler der Gegenwart. Inszeniert wurde das Stück von Lars Helmer. Die Vorankündigung versprach folgendes: "Drei Frauen, ein Thema: Männer!" Na ja, denkt man, bzw. Frau, sich da. Ist das nicht vielleicht ein Wunschtraum der Männerwelt. Mitunter haben Frauen ja doch auch andere Gedanken im Kopf.

Aber schon nach wenigen Minuten Spielzeit stellt sich heraus: Das Stück ist zwar witzig überzogen, dabei aber erstaunlich authentisch. Die drei Hauptdarstellerinnen - und zugleich die einzigen Personen auf der Bühne - sind die Freundinnen Christine (Esther Kuhn), Linda (Karolina Thorwarth) und Barbara (Barbara Schedivy). Ort des Geschehens ist die gemeinsame Wohnung von Christine und Linda am Weihnachtsabend. Christine trauert seit langem ihrem Verflossenen hinterher. Linda dagegen sammelt Verehrer - mit wohl überlegter Taktik, so dass möglichst viele Einladungen in Restaurants oder auf Reisen dabei herausspringen. "Wenn er denkt, dass ich verlobt bin, verliert er jede Motivation, mich zu verwöhnen", schlussfolgert sie etwa. Oder: "Wenn ich mit Martin ins Bett gehe, dann verliert er das Interesse und ich die Nilkreuzfahrt."

Während Christine und Linda noch über Männer diskutieren, taucht Barbara auf, vermeintlich glücklich verheiratet, nun aber in sichtlich schlechter Laune und nach einem Cognac verlangend. Statt eines Weihnachtsgeschenkes drückt sie Christine einen Stapel Fotos in die Hand - von ihrem Ehemann und "einem blonden, 1,50 Meter hohen Scheidungsgrund mit roten Lippen und roten Fingernägeln".

Barbara, die von ihrem Mann immer dazu gedrängt wurde, zweifach gewickelte lange Schottenröcke zu tragen - angeblich damit sie durch Persönlichkeit besteche, in Wirklichkeit aber, wie sie nun argwöhnt, damit sie "vom Markt" verschwinde, ist außer sich. Gemeinsam mit Linda, mittlerweile ebenfalls empört über einen Liebhaber, der sich aufgeregt hat, nur weil Linda eine Stunde zu spät gekommen ist, beschließt sie, eine Kreuzfahrt zu unternehmen.

Bewusst übertrieben

Zwei Wochen später ist Christine wieder mit ihrem Ex zusammen. Linda erwartet ein Kind und die biedere Barbara hat sich in einen männermordenden Vamp verwandelt. Natürlich ist das Verhalten der drei Frauen stellenweise bewusst übertrieben - was einen Lacher nach dem anderen garantiert. Aber das Stück überzeugt auch durch liebevolle Details. Etwa als Christine Barbara gesteht, dass sie ein einziges Mal in ihrem Leben einen Mann angesprochen hat. "Ich hatte mein Engelskostüm an, weißt du, .", erzählt sie. "Das mit den Streifen am Kragen?", unterbricht Barbara gleich voller Eifer. Ja, genau so laufen derartige Gespräche ab. Barylli muss ein Frauenversteher sein.

Ein großes Kompliment verdienen auch die Schauspielerinnen. Esther Kuhn, Karolina Thorwarth und Barbara Schedivy spielen ihre Rollen mit sichtlichem Spaß an der Sache. Dies gipfelt in der Schlussszene. Mit ihren Highheels fest in den Boden stampfend, tanzen die drei zu Cindy Laupers "Girls just want to have fun". Und alle Mädchen im durchwegs begeisterten Publikum hätten am liebsten mitgetanzt!

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