18.12.2006 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zeigt die "Ausstellung Otto Mueller. Verlorenes ... Der ruhige Expressionist aus der "Brücke"-Familie

von Susanne WolkeProfil

Sein großes Thema war der Einklang von Mensch und Natur. Doch die Bilder des Expressionisten Otto Mueller sind keine Idyllen: Die Figuren wirken isoliert und sind einander fremd. Der paradiesische Urzustand, in dem sie sich bewegen, ist keine Realität. Er symbolisiert vielmehr die Sehnsucht nach Frieden in einer Welt fern der Zivilisation.

"Otto Mueller. Verlorenes Paradies" heißt denn auch die neue Sonderausstellung der Ostdeutschen Galerie, die dort vom 17. Dezember bis zum 18. März zu sehen ist. Das Regensburger Kunstforum präsentiert mit der Schau als erstes deutsches Museum eine Retrospektive des druckgrafischen Werks Otto Muellers.

Gezeigt werden etwa 200 Blätter aus der Sammlung von Florian Karsch. Ergänzt wird die Ausstellung durch Gemälde aus den Beständen des Kunstforums Ostdeutsche Galerie. Mit Otto Mueller zeigt das Museum nach Otto Dix einen weiteren Vertreter der Klassischen Moderne innerhalb eines Jahres. "Wir wollen mit dieser zweiten klassischen Ausstellung Besucher befriedigen, die nicht nur zeitgenössische Kunst sehen wollen", betont Dr. Ulrike Lorenz.

Einer der bekanntesten Vertreter des deutschen Expressionismus ist es, den die Museumsleiterin und der Kurator der Ausstellung, Dr. Gerhard Leistner, nun nach Regensburg geholt haben. Otto Mueller (1874-1930) war seit 1910 Mitglied der "Brücke". Unter der Führung von Ernst Ludwig Kirchner und seinen Sinnesgenossen war die Dresdner Künstlervereinigung maßgeblich an der Entwicklung des Expressionismus in Deutschland beteiligt. Doch obwohl Otto Mueller innerhalb dieses Kreises sehr anerkannt war: Seine Werke unterscheiden sich in verschiedener Hinsicht von den häufig verzerrten, aggressiven und sozialkritischen Darstellungen der anderen Expressionisten.

"Mueller war mehr als die anderen der traditionellen Malerei verpflichtet", erklärt Kurator Dr. Leistner. "Seine Figuren sind nicht so kantig und haben harmonischere Proportionen." Das für die anderen Brücke-Künstler typische Thema der Großstadt fehlt bei Mueller völlig. Er stellte vor allem weibliche Akte und Landschaften dar. "Das Werk Muellers ist sehr homogen", so Ulrike Lorenz. "Abgesehen von der Frühphase hat es sich später kaum mehr geändert."

Ein Aspekt, der auch bei der Präsentation der Regensburger Ausstellung eine Rolle spielte: Die Hängung folgt keiner Chronologie sondern ist rein thematisch geordnet. Einen Raum nimmt dabei die Darstellung badender Frauen ein, ein Thema das Otto Mueller immer wieder aufgriff. Daneben gibt es Paare und Landschaften. Ein Höhepunkt der Schau ist die berühmte "Zigeunermappe" von 1928.

Entgegen den nationalistischen Strömungen seiner Zeit nahm sich Mueller hier einer Gruppe von gesellschaftlich Ausgestoßenen an. Manche Blätter der Ausstellung werden in verschiedenen Farb- und Druckzuständen gezeigt. Die meisten der Drucke sind übrigens Lithographien. Während die anderen Expressionisten in der Regel mit dem eher kantigen Holzschnitt arbeiteten, bevorzugte Mueller diese weichere Form des Steindrucks.

Ausstellung "Otto Mueller. Verlorenes Paradies. Werke aus der Sammlung Karsch" ist vom 17. Dezember 2006 bis 18. März 2007 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Am 24., 25., 31.12 und am 1.1. geschlossen. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Informationen unter Tel. 0941/ 29714-0 oder info[at]kunstforum[dot]net . Der vorzüglich bebilderte Katalog kostet 19 Euro.

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