Kunstkabinett in Regensburg zeigt die grotesken Skulpturen des Chinesen Feng Lu - ...
Eine Welt zwischen Albtraum und Wirklichkeit

Zwei Geschichtenerzähler, die sich verstehen: Der chinesische Künstler Feng Lu und die Oberpfälzer Autorin Andrea Maria Schenkel vor einer Skulptur Lus im Regensburger Kunstkabinett. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
04.02.2013
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Was Feng Lu zuallererst an seiner Wahlheimat Deutschland faszinierte, waren die Bremer Stadtmusikanten. "So eine interessante Geschichte", findet der 33-jährige Künstler noch heute und fügt an: "Das war für mich der Grund, Deutschland kennenzulernen." Im Jahr 2000 zog Feng Lu ins Land der Brüder Grimm und begann sein Studium in Mainz und später in Berlin.

Nun ist und bleibt Feng Lu aber Chinese. Und obwohl er seit fast 13 Jahren in Deutschland lebt, sieht er das fremdländische Europa nach wie vor mit dem Auge des Außenstehenden. Dementsprechend locker ist der Umgang des Künstlers mit unterschiedlichen europäischen Kulturgütern und deren Vermischung.

Kein Respekt vor Religion

Da sind die Bremer Stadtmusikanten. Einerseits. Aber Pinocchio ist auch spannend, der muss ebenso mit ins Boot, wenn Feng Lu eine neue Skulptur schaffen will. Dazu noch der christliche Glaube mit seinen merkwürdigen Symbolen. Nicht zu vergessen aber auch die buddhistisch geprägte Herkunft des Künstlers.
All diese Elemente zusammen ergeben bei Feng Lu einen exotisch-folkloristischen Turm aus Elefant, Vogel Strauß, Pinocchio, Affe und Kreuz. Die äußerst freie Auslegung der Bremer Stadtmusikanten steht derzeit im Regensburger Kunstkabinett und wirkt auf die Besucher der Galerie kaum weniger gespenstisch als ihre Vorbilder einst auf die Räuberbande im Wald.

Denn eines haben sie alle gemein, die Werke Feng Lus: Sie sind bunt und auch verspielt - aber keinesfalls harmlos. "Ich habe schon als Kind Figuren aus Knetmasse geformt", erzählt Feng Lu. Als Erwachsener schafft er minuziös gearbeitete Skulpturen aus bemaltem Epoxidharz, von denen man nicht genau weiß, ob man sie der Spielzeugwelt zuordnen soll oder der Geisterbahn.

Wohl beidem. Denn Feng Lu verbindet niedliches und dämonisches zu einer Heerschar wahrhaft beklemmender Figuren. Die Welt, der sie entstammen, umschreibt der Ausstellungstitel im "Kunstkabinett" treffend: "Traum und Wirklichkeit". Da jagt der Teufel den Papst und es stellt sich die Frage, wer von den beiden eigentlich hier der Bösewicht ist. Die Religion spielt bei Feng Lu eine große Rolle, sowohl die christliche als auch die buddhistische. Und vor keiner hat er großen Respekt. Nackte Frauen ahmen bei ihm indische Gottheiten nach, ein Bischof erscheint als religiöser Zentaur mit Eselskörper.

Eifrige Käuferin

Dass ausgerechnet Andrea Maria Schenkel die Einführungsrede zur Ausstellungseröffnung hielt, verwundert keineswegs. Die durch düstere Geschichten bekannt gewordene Regensburger Autorin ist den grotesken Werken des Künstlers regelrecht verfallen. Drei Stück davon hat sie bereits auf früheren Ausstellungen Feng Lus im Kunstkabinett erworben. Nach dem ersten Kontakt mit der schaurigen Welt des Chinesen konnte sie es gar nicht erwarten, ihr eigenes Werk in den Händen zu halten, erzählte die Schriftstellerin bei der Vernissage. Nun befinden sich die Arbeiten im Hause Andrea Maria Schenkels und dienen dort der Inspiration. Man ahnt schon, dass auch das nächste Buch der Autorin wohl kaum ein fröhlicher Schwank werden wird.

Flora hat das Nachsehen

Einen gibt es allerdings, der sich der Feng-Lu-Stimmung im Kunstkabinett wohl nur ungern angeschlossen hätte: Paul Flora. Die Arbeiten des vor einiger Zeit verstorbenen Künstlers gehören zum Grundinventar der Galerie. Und müssen nun die undankbare Rolle des Lückenfüllers zwischen den Skulpturen Feng Lus übernehmen. Paul Flora gegenüber scheint das etwas ungerecht. Denn dessen subtile Arbeiten verblassen nicht nur wegen ihrer zurückhaltenden Farbigkeit neben den dominanten Figuren Feng Lus.
"Auf und davon" - der Titel einer Flora-Radierung - erhält hier eine fast schon tragische, neue Gewichtigkeit. Tragisch deshalb, weil Floras geheimnisvolle Wesen vor Lus kreischenden Ungetümen nicht so einfach davon laufen können wie einst die Räuberbande im Märchenwald vor den Bremer Stadtmusikanten.

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Die Ausstellung "Traum und Wirklichkeit" mit Arbeiten von Feng Lu und Paul Flora ist bis zum 9. April im Kunstkabinett, Untere Bachgasse 7, in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11 bis 18, Samstag von 10 bis 14 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 0941/57856.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunstkabinett-regensburg.de
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