Leonard Bernsteins zeitlose "West Side Story" im Regensburger Velodrom
Wenn die "Sharks" auf die "Jets" treffen

"Sharks"-Chef Bernardo (Sascha Luder, links) im Kampf mit dem "Jet" Diesel (Robin Koger). Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
19.03.2013
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Die Grundidee für das Werk geht bis ins Jahr 1949 zurück. Ursprünglich sollte Leonard Bernsteins Musical "West Side Story" ja "East Side Story" heißen und den Konflikt zwischen Katholiken und Juden in der New Yorker East Side thematisieren.

Aber Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts erschien dem Komponisten und seinen Autoren Arthur Laurenz und Stephen Sondheim der Konflikt zwischen südamerikanischen Einwanderern und "alteingesessenen" US-Amerikanern zeitgenössischer. So übertrugen sie die Geschichte in die Gegenwart eines New Yorker Stadtteils, der zu dieser Zeit viel sozialen Sprengstoff aufwies.

In Andrea Schwalbachs Inszenierung der "West Side Story" am Theater Regensburg haben nicht nur die Mitglieder der puertoricanischen Jugendgang "Sharks" einen aktuellen und deutlich spürbaren Migrationshintergrund, sondern auch die "Jets", die in dieser Produktion aus einer italienischen Abstammung keinen Hehl machen. Das ist auf der einen Seite eine interessante Idee, nimmt aber dem Konflikt etwas den Hintergrund, da auf diese Weise der kulturelle Gegensatz zwischen Nord und Süd nicht voll durchschlägt. Auch kann man sich fragen, ob der geänderte Schluss, in dem sich Maria in dieser Inszenierung auch noch erschießt, wirklich etwas bringt.

Unterhaltsame Produktion

Aber abgesehen davon ist Regisseurin und Theater hier doch eine unterhaltsame Produktion gelungen. Die Bewegungsabläufe der Inszenierung halten die Spannung aufrecht. Die Atmosphäre ist schrill und bunt. So agieren die "Jets" in Hip-Hop-Klamotten und die "Sharks" in einem Outfit, das dem Glamrock-Stil nahekommt. Neben den Kostümen entwarf Nanette Zimmermann auch das Bühnenbild, das durch Rollkulissen schnelle und unkomplizierte Verwandlungen ermöglicht.

Die Choreographie von Tanzchef Yuki Mori besticht unter anderem, weil sie den beiden Gangs auf originelle Weise mit den jeweils für sie typischen Verhaltensformen bis ins Bewegungsdetail gerecht wird. Dazu gehören beispielsweise auch die Breakdance-Ansätze der "Jets".

Von den Bühnenakteuren an diesem Premierenabend muss man Cameron Becker in der Figur des Tony das größte Kompliment machen. Sowohl gesanglich als auch schauspielerisch zeigt er in dieser Rolle fesselndes Einfühlungsvermögen. Sein geschmeidiger Gesang macht Nummern wie "Maria" oder "Tonight" zu einem echten Klangerlebnis.

Unterm Strich positiv

Anna Pisareva meistert ihren Part als Maria ganz passabel, wenngleich der etwas operettenhafte Touch in ihrer Stimme hier und da nicht so ganz angebracht ist. Sascha Luder als Bernardo, Matthias Wölbitsch als Riff, Theodora Varga als Rosalia, Katharina Schutza in der Rolle der Anita sowie all die anderen Bühnenakteure komplettieren durch ihre Leistungen den insgesamt positiven Gesamteindruck dieser Produktion.

Dazu gehört auch das unter der Leitung von Philip van Buren leidenschaftlich und in lebendigen Tempi agierende Orchester, das den Swing gut umsetzt und Sinn für die Spannungsbögen beweist.
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