12.05.2012 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Liebe in der NS-Zeit: Hinrichtungs-Foto mit polnischem Zwangsarbeiter entstand in der Oberpfalz ... Todesstrafe für verbotenen Umgang mit deutschen Frauen

von Redaktion OnetzProfil

Es ist ein Foto, das verwirrt: KZ-Häftlinge blicken auf einen Mann in Uniform, der vor ihnen in einem Sarg liegt. Der Hintergrund: Das Bild, das in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zu sehen ist, zeigt einen hingerichteten polnischen Zwangsarbeiter. Wegen einer Liebesbeziehung mit einer Deutschen ließ ihn die Gestapo Regensburg durch KZ-Häftlinge erhängen. Den lange unbekannten Ort der Hinrichtung hat BR-Autor Thomas Muggenthaler nun in der Oberpfalz ausgemacht.

"Ein üblicher Vorfall"

Das Bild ist Teil einer Serie von fünf Fotos, die europaweit Aufsehen erregten. Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, war auf die Bilder vor Jahren bei Recherchen in den USA gestoßen. Sie stammen aus dem privaten Fotoalbum eines US-Soldaten. Vermerkt sind sie mit der Notiz "Ein üblicher Vorfall in Flossenbürg". "Für uns war klar, dass die Hinrichtung nicht in Flossenbürg stattgefunden hatte", sagte Skriebeleit in Regensburg.

Die Uniform des Erhängten und die Umstände lassen darauf schließen, dass das Bild einen der vielen polnischen Zwangsarbeiter zeigt. Sie waren in der NS-Zeit wichtige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, gleichzeitig war gegen sie ein System repressiver Maßnahmen eingeführt worden. "Mit dem Tod bestraft wurde aber nur der verbotene Umgang mit deutschen Frauen", erklärte Skriebeleit. KZ-Häftlinge aus Flossenbürg waren für diese Fälle als "mobiles Exekutionskommando" in ganz Ostbayern unterwegs. Die einzigen bekannten Fotos davon sind die in der Gedenkstätte ausgestellten Bilder des US-Soldaten.
Licht ins Dunkel über den Ort der fotografierten Szene bringt nun erstmals BR-Autor Muggenthaler. Seinen Recherchen nach soll der Tatort in einem Gehölz bei Michelsneukirchen (Kreis Cham) liegen. Bei Nachforschungen entdeckte er Fotos des Polen Julian Majka, auf einer Bank sitzend - und ein Bild des Michelsneukirchener Gehölzes.

Dort wurde Majka am 18. April 1941 wegen seiner Liebe zu einer deutschen Frau hingerichtet. Zusammen mit Forst- und Geschichtsexperten will Muggenthaler herausgefunden haben: Majka muss der Mann auf den Fotos sein. Sowohl die Ähnlichkeit des Waldstückes als auch des Mannes sprächen dafür.

Von Anwohner verraten

Schwierig gestaltete sich die Recherche zum Thema. Manche Familien sind von den Hinrichtungen polnischer Zwangsarbeiter bis heute betroffen, da aus etlichen deutsch-polnischen Liebesbeziehungen Kinder hervorgegangen sind. Die Mitwisser- und Mittäterfrage stellte Skriebeleit in den Raum. Auf den Dörfern habe man von den Hinrichtungen gewusst, auch müssten die deutsch-polnischen Liebespaare wohl von Anwohnern verraten worden sein.

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Das Bayerische Fernsehen berichtet in der Sendung "Altbayern und Schwaben" am 13. Mai (18.05 Uhr) über die neuen Erkenntnisse der Hinrichtungs-Fotos.

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