24.03.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Liesl Fiedler, Julia Seidensticker und Ute Haas führen beim KunstvereinGRAZ in die Welt der ... Parks, Fischerboote und Pingpong-Spieler

von Susanne WolkeProfil

Die Scherenschnitte von Liesl Fiedler entführen in verzauberte Welten: Es sind verschwiegene Parklandschaften voller schattiger Alleen und murmelnder Bäche. Schwäne gleiten unter versteckten Brücken hinweg, Liebespaare umarmen sich in verborgenen Ecken, Faune spähen durch das dichte Laub. In unglaublicher Feinarbeit hat die mittlerweile 86-Jährige filigrane Meisterwerke aus dem Papier geschnitten. Eine Auswahl davon ist derzeit im KunstvereinGRAZ in Regensburg zu sehen.

Drei Generationen

Liesl Fiedler ist nicht die einzige Künstlerin, deren Werke momentan in der Ladehofstraße 20 gezeigt werden. "AusSchnitte" heißt dort die aktuelle Ausstellung. Vertreten sind drei Künstlerinnen: Liesl Fiedler aus Regensburg, Julia Seidensticker aus Köln und Ute Haas aus Landshut. Drei Frauen, drei Generationen, aber ein gemeinsames Thema: der Scherenschnitt. Dabei sind es völlig unterschiedliche Weisen, mit denen Fiedler, Seidensticker und Haas an diese Kunstform herangehen. Nur eine Sache haben die Werke aller drei Künstlerinnen gemein: Sie zeigen stille Welten - "eigene Kosmen für sich, in sich ruhend und komplett", wie es der Vorsitzende des KunstvereinsGRAZ, Jürgen Huber, formuliert.

Neben den zauberhaften Parkbildern von Liesl Fiedler stehen die nicht minder sentimentalen Scherenschnitte Julia Seidenstickers. Tischtennisspieler, Jugendliche in der Sporthalle, Familien unter Sonnenschirmen - es sind Szenen, die in einer Momentaufnahme festgehalten sind. Ausgeschnitten aus Papier und mit goldener Farbe unterlegt. Die Bewegungen scheinen erstarrt, der Aufprall der Bälle verklungen, das Gelächter im Freibad verstummt. "Die Bilder sind aus nostalgischen Erinnerungen entstanden", sagt Julia Seidensticker über die gold-schwarzen Silhouetten. "Ich habe darin alte Fotos sentimental aufgearbeitet."

Ganz anders sind die Arbeiten von Ute Haas. Ihre "Traumbilder aus dem Alltag" zeigen Collagen. Als Material dient ihr "Treibgut" - Zeitungsausschnitte, Fotos und Farbkopien eigener Gemälde. Die Kunsterzieherin schneidet die Motive aus und fügt sie zu ganz autonomen Bildern zusammen. Das Resultat sind abstrakte Darstellungen. Doch die Formen wecken Assoziationen - an Fischerboote oder südliche Landschaften. Die Bilder sollen Sehnsüchte ausdrücken, so Ute Haas. "Aus alltäglichen Dingen wird ein Traum", erklärt sie. "Aber meine Aussage ist die, dass immer der Moment kommt, in dem man in die Realität zurück muss."

Klassische Scherenschnitte

Und dann ist da noch Liesl Fiedler, "die Altmeisterin des Scherenschnittes", wie sie Jürgen Huber nennt. Ihre Scherenschnitte sind klassisch: schwarz-weiß, zart und von feinster Präzision. Mit einem Scherchen ihrer Tante Milla hat sie 1939 begonnen - "und seitdem habe ich die Schere nicht mehr beiseite gelegt". Die Scherenschnittfolge, die im KunstvereinGRAZ zu sehen ist, erinnert an Spaziergänge im Nymphenburger Schlosspark.

"Der Park hatte unendlich schöne Überraschungen zu jeder Jahreszeit für uns bereit" - Liesl Fiedler erinnert sich an dunkle Wege, an Licht, das durch die Blätter fällt und an Schlittschuhlaufen auf dem See. All dies hat sie in ihren zauberhaften Scherenschnitten wiedergegeben: Parklandschaften voller schattiger Alleen, murmelnder Bäche, gleitender Schwäne und umschlungener Liebespaare.

Die Ausstellung "AusSchnitte" ist bis zum 7. April im KunstvereinGRAZ, Ladehofstraße 20 in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten Freitag und Samstag von 16 bis 19 Uhr. Kontakt: 0941/34872.

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