07.03.2018 - 20:00 Uhr
Regensburg

Literarische Reise durch die Tatorte Ostbayerns Wenn Mord zur Mode wird

Von Susanne Wolke

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. In Ostbayern lebt sich's gefährlich. Zumindest in der Literatur. Was die Quote an Kriminalgeschichten betrifft, steht die Region den Gegenden in Südschweden kaum mehr nach. Schonungslos vor Augen führt dies momentan eine Ausstellung in der Staatlichen Bibliothek Regensburg. "Wo waren Sie am ...?" Diese Frage empfängt nicht nur den Besucher als Titel der Schau.

Sie wird auch unbequem für eine wachsende Anzahl von Tätern, die seit geraumer Zeit ihr Unwesen treiben zwischen Oberbayern und Niederbayern, zwischen Regensburg und dem Bayerwald. "Eine literarische Reise durch die Tatorte Ostbayerns", lautet der Untertitel der Präsentation. Nach Tatorten sortiert stellt die Ausstellung aktuelle Krimiautoren und deren Werke vor. Mit dabei sind die üblichen Verdächtigen: Andrea Maria Schenkel lässt in ihrem Bestseller "Tannöd" den tatsächlichen Schauermord in Hinterkaifeck wieder aufleben.

"Weg vom Fenster"

Barbara Krohn konfrontiert in "Weg vom Fenster" die frischgebackene Mutter Ines Klövenstrüpp mit unerfreulichen Ereignissen. Hilde Artmeier lässt die temperamentvolle Anna di Santosa an der Donau ermitteln. Und Raimund A. Mader macht zwar Weiden zum Handlungsort seines Romans, fragt aber provokativ: "Sind das denn überhaupt Heimatkrimis?"

Land der fiktiven Ermittler

Wenn es nach der Ausstellung in der Staatlichen Bibliothek geht, dann schon. "Der Regional- oder Heimatkrimi liegt im Trend", heißt es hier. "Auch Ostbayern ist längst ein Land der fiktiven Ermittler geworden." Mehr als die Kriminalromane selbst stellt der Kurator Christian Muggenthaler deren Schöpfer in den Vordergrund. Rita Falk, Christian Limmer, Jörg Graser: Sie alle verraten anhand selbst verfasster Steckbriefe ihre Motivation, ihren Lieblingskrimi und eine weitere Leidenschaft - sei es Kaffee, Schokolade oder das Malen.

"Heimat ist ein Verkaufsschlager", bringt der Ausstellungskurator Christian Muggenthaler einen derzeitigen Trend auf den Punkt. Für den Leser bedeute es wohl einen besonderen Reiz, wenn in die vermeintliche Beschaulichkeit plötzlich das Bedrohliche einbricht. Das Problem an der Sache: Gerade diese Modeerscheinung bringt immer mehr Kriminalermittler und somit auch Verbrecher auf den Plan. Bislang allerdings, Gott sei Dank, nur in der Literatur.

Service

Die Ausstellung "Wo waren Sie am ...? Eine literarische Reise durch die Tatorte Ostbayerns" läuft bis zum 5. Mai in der Staatlichen Bibliothek Regensburg, Gesandtenstraße 13. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr, Samstag von 14 bis 18 Uhr.

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