Mehr als pädagogisch wertvoll: "Frau Müller muss weg" von Lutz Hübner am Theater Regensburg
Lehrkraft kämpft gegen die Schwerkraft

Die Eltern (hinten) machen im wahrsten Sinne des Wortes "Front" gegen die Lehrerin Sabine Müller (Gabriele Fischer, vorne). Bild: Juliane Zitzlsperger
Kultur
Regensburg
18.04.2013
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Wer einmal einen wirklich amüsanten und gleichzeitig für Eltern und Lehrer pädagogisch wertvollen Theaterabend erleben will, der sollte sich Lutz Hübners Komödie "Frau Müller muss weg" in der Inszenierung von Sahar Amini am Theater Regensburg ansehen. Denn was der Theaterbesucher da im Regensburger Theater am Haidplatz geboten bekommt, ist ein raffiniertes Feuerwerk von witzigen Details, eingebettet in ein Regie-Gesamtkonzept, bei dem wirklich alles hervorragend durchdacht ist.

Zweifelsohne bietet dieses im Jahr 2010 am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführte Stück ein großes Potenzial für originelle und komödiantische Einfälle, aber dieses muss man auch erkennen und ausloten. Und hier bewies die junge Regisseurin Sahar Amini ein exzellentes Gespür für die Komik, aber auch die Hintergründigkeit, die in diesem Werk steckt.

Unfähige Eltern

Meisterhaft setzt Amini die Komödie um, in der fünf Elternteile die Schuld für die schlechten Noten ihrer Sprösslinge bei der Lehrerin Müller suchen und diese absetzen wollen, sich aber letztendlich nur selbst als pädagogisch unfähig entlarven.
Schon das erste Bild, in welchem ein mit Kastanienmännchen spielendes Kind nur wenige Sekunden zu sehen ist und sich ins Publikum winkend verabschiedet, ist ungewöhnlich und originell.

Das sich nach hinten trichterartig verengte Bühnenbild von Anna Schurau, die auch die Kostüme entwarf, stellt sich mit seiner kleinen Öffnung als grandiose Idee heraus, mit der die Regisseurin geschickt spielt. Die Idee, dass sich die fünf Elternteile nach dem Betreten des trichterartigen Raumes im engsten Teil quasi als psychologischer Block gegen die Lehrerin Müller zusammendrängen, und die Art und Weise, wie dann jeder Bühnenakteur den Charakter seiner Figur immer deutlicher auch Raum ergreifend entwickelt, hat große Klasse und eine starke Wirkung.

Gestik unterm Brennglas

Hier hat sich die Regie wirklich etwas Passendes und Mitreißendes einfallen lassen. Auch die Marotten jeder einzelnen Figur weiß Sahar Amini ebenso amüsant wie eindrucksvoll herauszustellen. Und auf der kleinen Bühne wirkt jede Gestik sehr unmittelbar und packend.
Zu dieser beeindruckenden Regieleistung kommen auch noch die überzeugenden Bühnenakteure, die allesamt ausdrucksstark und auch in emotionalen Ausbrüchen noch verständlich agierten. Das gilt für Sebastian Ganzert als Partrick Jeskow, Janina Schauer als Marina Jeskow, Silke Heise als Katja Grabowski, Pina Kühr als Jessica Höfel und Michael Lämmermann als Wolf Heider in gleichem Maße wie für Gabriele Fischer in der Rolle der verhassten Lehrerin Sabine Müller.

Insgesamt ist dem Theater Regensburg mit dieser Inszenierung eine rundherum gelungene und originelle Produktion gelungen, deren Besuch man wärmstens empfehlen kann. Der Beifall im ausverkauften Theater am Haidplatz war am Premierenabend anhaltend und euphorisch - und das völlig zurecht.

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Die nächsten Aufführungen: am 21. April sowie vom 25. bis 30. April täglich jeweils 19.30 Uhr.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.theater-regensburg.de
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