Mitglieder des Ballettensembles vom Theater Regensburg stellen eigene Choreographien vor
Die beeindruckende Kreativität der Compagnie

Das Alte erschwert dem Individuum den Aufbruch in etwas Neues in der Choreographie "In mir, wo die Stürme Wunder nehmen" von Ljuba Avvakumova: Ina Brütting als Individuum, Harumi Takeuchi als "Altes" und Claudio Costantino in der Rolle des "Neuen". Bild: Juliane Zitzlsperger
Kultur
Regensburg
06.05.2013
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Zwar werden die Mitglieder einer Ballett-Compagnie für ihre hervorragenden tänzerischen Leistungen immer mal wieder gefeiert. Aber das große Lob für die Kreativität und die Innovation einer Tanzproduktion bleibt meist - und dies nicht ganz zu unrecht - dem Choreographen vorbehalten, der in vielen moderneren Werken auch noch Autor des Stoffes ist. Er zieht in der Regel die Fäden und gestaltet eine Produktion inklusive aller Bewegungsabläufe nach seinen Vorstellungen. Für die Tänzerinnen und Tänzer eines Ensembles bleibt da nicht selten wenig Spielraum, um eigene Ideen in eine Produktion einzubringen.

Umso interessanter ist es, wenn sich die Mitglieder einer Compagnie an einem Tanzabend nicht nur als Ausführende, sondern auch als Ballettkunst-Schaffende präsentieren. Dies geschieht am Theater Regensburg bereits seit der Spielzeit 2004/2005, als die Mitglieder damals unter dem Titel "Junge Choreographen" erstmalig einen äußerst innovativen Abend aus eigenen Kurzchoreographien gestalteten. In der Amtszeit des bis zur vergangenen Spielzeit tätigen Ballettdirektors Olaf Schmidt sind diese kreativen und zum Teil auch recht progressiven Ballettabende, die auch das Motto "creativ attack" trugen, schon zu einer kleinen Tradition geworden. Insgesamt acht solcher Veranstaltungen konnte man in der Ära Schmidt am Theater Regensburg erleben. Erfreulich ist aber auch, dass der neue Tanzchef Yuki Mori diese Tradition fortführt. So kamen nun im Theater im Velodrom unter dem Titel "Tanz.Fabrik!" Choreographien der aktuellen Ensemblemitglieder zur Uraufführung.
Zu sehen sind in der einstündigen Produktion Werke von Riccardo Zandoná, Ljuba Avvakumova, Pauline Torzuoli, Andrea Vallescar und Alessio Burani. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Mitglieder der aktuellen Compagnie sich von ihrem Tanzchef Yuki Mori ähnlich im Stil inspirieren lassen, wie das die damaligen Tänzer bei Schmidt taten.

Sah man bei den Mitglieder-Choreographien in der Ära Schmidt noch öfter die auch dem damaligen Ballettdirektor eigene, ausgeglichene Mischung aus klassischem Spitzentanz und modernen Ausdrucksformen, so neigt sich in den Choreographien der derzeitigen Mitglieder - wie auch Bei Yuki Mori - dieses Gleichgewicht deutlich zugunsten des modernen Ausdruckstanzes.

Ein weiterer Unterschied zu "Junge Choreographen" besteht darin, dass die einzelnen Choreographien nicht abgegrenzt, sondern in raffinierten Überleitungen miteinander verbunden werden , was durchaus beeindrucken kann.

Alle fünf zu sehenden Choreographien weisen Kreativität und Originalität auf. So entwickelt Ljuba Avvakumova in ihrem mit "In mir, wo die Stürme Wunder nehmen" betitelten Beitrag beispielsweise einen Pas de deux, der zeitweise in einen Pas de trois mündet, weil der Neubeginn einer Lebensphase das Alte nicht ohne weiteres abschütteln kann. Das Alte blockiert immer wieder in Form von einem raffiniert gestalteten Bodentanz die Handlungsfreiheit des Ichs. Viel Humor und Witz vernimmt man in der von Andrea Vallescar und Alessio Burani gestalteten Choreographie "Ametia", welche die Konflikte und Macken des Lebens thematisiert.

Insgesamt beeindruckt auch die Musikauswahl, die von Franz Schubert über Dean Martin bis hin ins Experimentelle reicht. Auch mit dem Licht wird sehr differenziert gearbeitet, was für verdichtete Atmosphären sorgt. Alle elf Tänzer der Compagnie setzen die Choreographien mit Ausdruck bis in die Fingerspitzen um. Man erlebt einen durchwegs empfehlenswerten Abend.
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