11.10.2017 - 18:46 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Moveees": Ausstellung von Tone Schmid in der Stadtkunst Ungezähmte Affen und wilde Gitarren

Der Name ist Programm: Bei der Ausstellung "Moveees" von Tone Schmid in der Stadtkunst in Regensburg bewegt sich alles: trommelnde Affen, ein vibrierender Fleischbock und eine selbstspielende Gitarre.

Wenn Tone Schmid Gitarre spielen will, braucht er keinen Finger zu bewegen. Dafür hat der Künstler vorher lange genug an seiner audio-kinetischen Assemblage getüftelt. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

Anscheinend störte es die Betreiber der "Stadtkunst Regensburg" vor zehn Jahren wenig, dass sich Tone Schmids rabiater Angler damals in regelmäßigen Abständen selbst den Saft abdrehte. Im Gegenteil: Hocherfreut zeigt sich Stadtkunst-Leiter Peter Gigglberger über den erneuten Einzug Tone Schmids und dessen ungezähmten Figuren in die Ausstellungsräume.

Zwar gilt es, Stecker zu überprüfen und übereifrige Skulpturen an den Platz zurückzuschieben. Dafür gibt es aber einen trommelnden Affen, eine vibrierenden Fleischbock und eine selbstspielende Gitarre. "Moveees", heißt die Schau. Eines lässt sich nicht leugnen: Es bewegt sich. Aus Motoren, Radsystemen, Hirschgeweihen und Massagegeräten kinetische Mischwesen zusammenzubasteln, ist die Spezialität Tone Schmids. Einem Frankenstein gleich lässt der Weidener Künstler aus Sperrmüll und anderen Resten neue Gestalten mit Eigenleben entstehen. Einen selbstbewussten Charakter zeigen dabei nicht nur der "Frog", der "Elder Salesman" oder der "Transaktor", sondern auch der Meister. "Tone Schmid würde seine Kinder nicht in jede Öffentlichkeit stellen", ist sich Peter Gigglberger bewusst. Umso mehr fühle man sich geehrt, Tone Schmid bei der 20. Haus-Ausstellung zeigen zu dürfen. Die Ausstellung seiner Werke teilt sich auf in Sammelbegriffe wie "Flüchtlinge", "Präsidenten" und "Tyrannen". Und zeigt schnell: Um Spielereien handelt es sich bei Schmids Objekten nicht.

Der Hintergedanke seiner kinetischen Assemblagen ist oft politisch. So etwa bei dem vibrierenden Fleischbock "Quake up". Dieser entstand unter dem Eindruck Fukushimas und versinnbildlicht die Hilflosigkeit angesichts der großen Mächte. Dass sich ein auf den reinen Gewinn orientierter Fokus nicht immer kontrollieren lässt, zeigt Tone Schmids "Transaktor". Die Münzen, die darin verschoben werden, blieben oft stecken. "Wer zähmt das wilde Pony?", lautet der Titel einer anderen Arbeit Schmids. Der Künstler lässt sich keine Zügel anlegen. Und seine Skulpturen auch nicht.

Service

Die Ausstellung "Moveees" von Tone Schmid ist in der Stadtkunst, Prüfeninger Straße 30, Regensburg zu sehen. Infos und Anmeldung zur Besichtigung unter Telefon 0941-22146 oder unter www.stadtkunst.de. (wsu)

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