24.12.2005 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Musical "Les Miserables" im Theater Regensburg als doppelt gelungene Premiere Revolution in kräftigen Bildern

von Stefan RimekProfil

Die Premiere des Musicals "Les Misérables" war am Theater Regensburg gleich eine Erstaufführung im doppelten Sinn. Denn erstens erlebte man im ausverkauften Theater am Bismarckplatz die erste Vorstellung der von Hartmut H. Forche inszenierten Produktion des von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg nach dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo geschaffenen Musiktheaterwerks.

Zweitens war dies in der Tat die erste Aufführung des Stücks an einem bayerischen Theater überhaupt. Letzterer Umstand sorgte für einen nicht zu übersehenden Presserummel, zumal sich das Theater Regensburg beim Erhalt der Rechte gegenüber anderen großen Häusern im Freistaat durchsetzen konnte, und sich Bühnenakteure für die Hauptrolle des Jean Valjean aus der gesamten Bundesrepublik beworben hatten.

Einsatz der Drehbühne

Aber das Theater Regensburg hält mit dieser imposanten, technisch aufwendigen und höchst anspruchsvollen Produktion dem hohen Erwartungsdruck stand. Da wird beispielsweise die Drehbühne eingesetzt, um die Fronten der Straßenkämpfe sowohl aus der Sicht der Aufständischen als auch aus der Perspektive der Regierungstruppen zu erfassen.

Da verschwinden Valjean, Javert und Marius durch Kanaldeckel in die Kanalisation, deren Innenleben durch das Hochfahren eines Bühnenboden-Elements sichtbar wird - und das Ganze bekommt einen leichten Hauch vom "Dritten Mann".

Dichte Atmosphäre

Da werden Gedankengänge durch das kurzfristige Erscheinen von Akteuren hinter transparenten Vorhängen optisch fassbar. Mystisch anmutende Spotslights, Trockeneisnebel und Blitzlichtgewitter komplettieren die emotional verdichtete Atmosphäre. Der effektive Einsatz der Drehbühne und ein raffiniert ausgeklügeltes System von Scharnier-Holzwänden im Bühnenbild von Konrad Kulke ermöglichen Sekundenschnelle Verwandlungen und den quasi pausenlosen Sprung zwischen verschiedenen Handlungsorten. Die Kostüme von Ellen Haub orientieren sich im Großen und Ganzen an der Biedermeierzeit und damit der Zeit der Handlung, weisen aber an vielen Stellen innovative Farbtupfer auf.

Die Entscheidung des Theaters Regensburg die Rolle des Jean Valjean unter zahlreichen Bewerbern dem Gast Matthias Pagani zu übertragen, erwies sich am Premiereabend als gut durchdacht. Der Tenor bestach durch schauspielerisches Talent ebenso wie durch seine klar artikulierte und intonierte Stimme.

Selbiges gilt auch für Martin-Jan Nijhof als Javert, Christina Knaus-Waldmann als Fantine, Ilonka Vöckel als Eponine oder Gesche Geier als Cosette. Auch die kleine Lotte Frankerl als kleine Cosette verdient großes Lob. Einen Augen- und Ohrenschmaus boten Ruth Müller und Berthold Gronwald als ebenso durchtriebenes wie ordinäres Banditenehepaar Thenardier. Sie verstanden es hervorragend das komödiantische Potential dieser Rollen auszuloten.

Souveräner Chor

Der von Karl Andreas Mehling einstudierte Chor agierte ebenso souverän wie das Orchester unter der Leitung von Manfred Knaak, wenngleich einigen Nummern zu Beginn, wie beispielsweise dem ersten Monolog Valjeans, etwas gemächlichere Tempi nicht geschadet hätten. Aber Letzteres fiel ebenso, wie das öfter etwas späte Hochziehen der Mikroports und ein kleines Malheur mit einer umfallenden Straßenlaterne kaum ins Gewicht. Der anhaltende und intensive Schlussapplaus war für diese aufwendige Produktion in jeder Hinsicht gerechtfertigt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.