16.02.2004 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Musical-Premiere "Der Mann von La Mancha" im Regensburger Velodrom Braver Kampf gegen die Windmühlen

von Stefan RimekProfil

Da der spanische Dichter Miguel de Cervantes einen nahezu ebenso unruhigen Lebenswandel hatte wie sein Romanheld Don Quixote, der im gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1605 bekanntlich sogar gegen Windmühlen kämpft, bauten ihn der US-amerikanische Komponist Mitch Leigh, der Autor Dale Wasserman und der Songtexter Joe Darion gleich in die Handlung des von ihnen 1965 gemeinsam fertiggestellten Musicals "Der Mann von La Mancha" mit ein. So entstand ein tragikomisches Spektakel, in welchem der im Gefängnis sitzende Cervantes seinen Mitgefangenen die Geschichte des Don Quixote erzählt, diese mit ihnen durchspielt und somit fast mit dem Protagonisten aus seinem Roman verschmilzt.

Eingängige Melodien

Durch seine eingängigen Melodien und die markanten Figuren des Don Quixote und des Sancho Pansa erreichte das Musical eine große Beliebtheit und Aufführungsdichte. Aber auch - oder gerade - diese leichte Kost braucht eine fantasievolle Regie, um nicht oberflächlich und ermüdend zu wirken. Michael Blumenthal, der den "Mann von La Mancha" nun am Theater Regensburg inszeniert, entschied sich für eine konventionelle und im Großen und Ganzen dennoch kurzweilige Inszenierung.

Für letztere Eigenschaft sorgen einige kreative Einfälle. So lässt Blumenthal das Orchester auf einem Podest hinter der Bühne agieren, das sich später teilt, um für den Spiegelritter und sein Gefolge eine Gasse zu bilden. Das Pferd des Spiegelritters erinnert etwas an von Hagens "Körperwelten" und wenn die Inquisition in den Kerker kommt, um sich ein weiteres Opfer zu holen, senkt sich eine Treppe aus der Seitenwand. Ansonsten kommen Blumenthal und sein Bühnenbildner Wolf Wanninger mit verschiedenen Podien aus, mehr Bühnenbild gibt es nicht zu vermelden. Die Bewegungsabläufe wirken schlüssig, und die Kostüme von Ulla Röhrs entsprechen dem Ort und der Zeit der Handlung.

Michael Suttner machte seine Sache an diesem Premierenabend gesanglich wie schauspielerisch gut, konnte sich durchsetzen und zeigte Bühnenpräsenz. Selbiges gilt auch für Georg Schießl als Sancho Pansa. Elvira Soukop konnte der Rolle der lasziven Aldonza allerdings nur unzureichend gerecht werden. Das lag nicht allein daran, dass sie im unteren Bereich ihrer Stimme etwas dünn wirkte und die oberen Passagen mit einem für diese Rolle nicht angemessenen Opernarien-Vibrato ausstattete, sondern auch daran, dass sie einfach nicht zur jener derben Laszivität fand, welche diese Rolle erfordert. Das wurde besonders in der Nummer "Mir ist jeder recht" deutlich.

Gesanglich durchwachsen

Die Leistungen der anderen Bühnenakteure waren gesanglich, wie schauspielerisch durchwachsen. Herauszuheben ist allerdings Heinz Müller, der als Padre nicht nur das komödiantische Potenzial seines Parts herrlich auszuschöpfen wusste, sondern auch noch bewies, dass auch ein Mitglied des Schauspielensembles gesanglich im Musicalbereich mithalten kann. Das Orchester traf unter der Leitung von Georgios Vramos die Tempi und bewies Sinn für die Dynamik-Strukturen.

So genoss der Musicalfreund, der es gern konventionell mag, einen netten Abend. Anhänger des Progressiven waren hier allerdings fehl am Platz. Zu ernst sollte man das Werk aber auch nicht nehmen. Wie dem auch sei, das Publikum war im gut gefüllten Theater im Velodrom spürbar angetan, was der intensive und anhaltende Schlussapplaus anschaulich verdeutlichte.

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