10.01.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Naturkundemuseum Ostbayern in Regensburg zeigt Ausstellung "Naturalienkabinette im 18. ... Wunderkammern exotischer Tiere

von Susanne WolkeProfil

Bei Erkältung greift man gerne zu Hustensaft oder Kopfschmerztabletten. Heilmittel wie Straußeneier, Adlerkrallen, Kokosnüsse oder Mumien werden in der Regel unterschätzt. Dabei erfreuten sich derartige "Arzneien" bis ins 18. Jahrhundert großer Beliebtheit - vor allem bei den Apothekern selbst: Als begeisterte Sammler häuften diese in ihren Läden exotische Tiere, Pflanzen und andere fremdländische Kuriositäten.

Apotheken glichen oft kleinen Naturkundemuseen - ebenso wie die "Naturalienkabinette", die auf Fürstenhöfen und in bürgerlichen Wohnungen eifrig zusammengetragen wurden. Erst im 19. Jahrhundert wurden diese "Wunderkammern" von Museen im eigentlichen Sinn abgelöst. Mit einer Sonderausstellung blickt das Naturkundemuseum Ostbayern derzeit auf solche Vorläufer seiner Gattung zurück.

Doppeltes Jubiläum

"Albertus Seba - Naturalienkabinette im 18. Jahrhundert" lautet der Titel der Jubiläumsschau anlässlich des 45-jährigen Bestehens des Museums sowie des 160-jährigen Gründungstages des Naturwissenschaftlichen Vereins Regensburg. Gezeigt sind Kupferstiche, die das Naturalienkabinett des berühmten Amsterdamer Sammlers Albertus Seba dokumentieren.

Daneben wird die Entstehung der modernen Wissenschaften beleuchtet - vor dem zeitlichen Hintergrund der Aufklärung, aber auch unter Berücksichtigung aller kuriosen Auswüchse. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné findet dabei ebenso Beachtung wie die Scharlatane, die durch das Auflegen von Adlerkrallen Krankheiten zu lindern suchten.

Ein Apotheker war es zwar, dem die Ausstellung im Naturkundemuseum gewidmet ist - auf keinen Fall aber ein Scharlatan. Albertus Seba (1665 - 1736) zeichnete sich vor allem durch seine wissenschaftlichen Methoden aus. Sein systematisch geordnetes Naturalienkabinett gilt als eines der ersten von europäischer Bedeutung. Es enthielt vor allem Reptilien, Meerestiere und Insekten - kostbare Schätze, die Seba von Übersee heimkehrenden Schiffsleuten abkaufte.

Ab 1734 begann der gebürtige Ostfriese, ein Inventar seiner Sammlung anzulegen. In Zusammenarbeit mit Kupferstechern erschienen vier monumentale Bildbände, die beiden letzten erst nach Sebas Tod. Das Naturkundemuseum Ostbayern verfügt über zahlreiche kolorierte Kupferstiche des zweiten Bandes und präsentiert diese nun erstmals der Öffentlichkeit. Die Abbildungen zeigen vor allem Schlangen - eine besondere Vorliebe Sebas.

Lebendige Darstellung

Die Tiere, die in der Sammlung in Alkohol konserviert und in Gefäße eingelegt waren, sind auf den Bildern meist lebendig dargestellt. Auf belehrende Weise wird zum Beispiel die enorme Kieferöffnung einer Schlange beim Verschlingen der Beute vorgeführt. Aber auch Seba überschritt offenbar manchmal die Grenze zur Fiktion. Während das Inventar unter dem Namen "Thesaurus" noch heute erhalten ist, wurde die eigentliche Sammlung nach Sebas Tod in ganz Europa zerstreut. Daher lässt sich heute nicht mehr nachprüfen, ob etwa eine siebenköpfige Wasserschlange wirklich der Realität entsprach.

Neben den Kupferstichen zeigt das Naturkundemuseum auch einen Teil des Kabinetts des Regensburger Pastors, Naturforschers und Erfinders Jacob Christian Schäffer (1718 - 1790). Susanne Wolke Die Ausstellung "Albertus Seba - Naturalienkabinette im 18. Jahrhundert" ist bis zum 25. Februar im Naturkundemuseum Ostbayern in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Montag 9 -12, Dienstag bis Freitag 9 -16 und Sonntag 10 -17 Uhr.

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