22.02.2018 - 20:00 Uhr
Regensburg

Organisatorischer Leiter der Regensburger Kurzfilmwoche Kurzfilme und Netzwerken: 24 Stunden Berlin

Gäbe es die Berlinale nicht, dann gäbe es auch die Internationale Regensburger Kurzfilmwoche nicht so, wie sie heute ist: Denn am Potsdamer Platz hat Philipp Weber vor sechs Jahren Insa Wiese, die heutige künstlerische Leiterin in Regensburg kennengelernt und gemeinsam den cineastischen Fokus auf die Optimierung des Oberpfälzer Festivals gestellt.

Philipp Weber, organisatorischer Festivalleiter der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg, hatte dieses Jahr für die Berlinale nur 24 Stunden Zeit. Bild: cim
von Autor CIMProfil

Berlin/Regensburg. "Sorry, ich habe noch eine Kollegin aus Hamburg getroffen und mich verquatscht", sagt Philipp Weber als er etwas verspätet im Café des Filmhauses am Potsdamer Platz einläuft. Für den organisatorischen Leiter der Internationalen Regensburger Kurzfilmwoche bedeutet die Berlinale nämlich vor allem eins: Netzwerken. Auch wenn er in diesem Jahr wenig Zeit dafür haben wird. Sein Terminplan ist straff, gerade mal 24 Stunden hat er in Berlin und auf der Berlinale, bevor sein ICE wieder gen Regensburg abfährt. "Das hat heuer leider nicht anders geklappt", sagt der Medienwissenschaftler, der bis über beide Brillengläser in den Vorbereitungen für die 24. Internationale Kurzfilmwoche in Regensburg steckt, die in knapp drei Wochen startet. "Wir haben noch so viel zu tun, aber Berlinale ist Pflicht."

Kurzfilm populärer machen

Nicht etwa weil er hier Weltpremieren sehen und internationale Kurzfilme begutachten kann, sondern weil sich jedes Jahr die "AG Kurzfilm - Bundesverband Deutscher Kurzfilm" auf den internationalen Filmfestspielen in der Hauptstadt trifft. Ein Anliegen des Verbands ist es, den Kurzfilm populärer zu machen. Denn dieser werde von der Presse stiefmütterlich behandelt und käme im Kino nur noch selten vor, sagt der 39-Jährige. Eigentlich, überlegt er, fände man diese experimentelle Filmform nur noch in der Kunst.

Immer wieder blickt er sich in dem Café um, das sich mittlerweile mit Filmschaffenden aus aller Welt füllt. Er nickt Bekannten und Kollegen zu, die er nicht nur während seines Studiums in Potsdam kennengelernt hat, sondern auch später bei seiner aktuellen Arbeit als organisatorischer Leiter des Kurzfilmfestivals in Regensburg. Und diesen Posten hat er eigentlich der Berlinale zu verdanken, und seiner Liebe zum Kurzfilm. Und Insa Wiese. Denn bei der Berlinale habe er vor sechs Jahren Insa kennengelernt, die heutige künstlerische Leiterin der Regensburger Kurzfilmwoche. Beide haben damals auf der Berlinale gejobbt und sich auf Anhieb gut verstanden.

Kurz nach dem Kennenlernen lief ein Kurzfilm, den Philipp mit Freunden von der Filmhochschule in Berlin gedreht hatte, in Regensburg. "Darüber war ich super froh, habe aber gemerkt, dass bei dem Festival zumindest technisch einiges im Argen liegt", erinnert er sich. "Das hat echt gestört. Auf dem Weg zurück nach Berlin, ich habe ja noch in Potsdam studiert, habe ich im Zug eine freundliche Beschwerde-E-Mail an das Kurzfilmfestival nach Regensburg geschrieben." Insa Wiese war damals schon dort, habe ihn daraufhin kontaktiert und gemeint, sobald er mit dem Studium fertig wäre, könne er kommen und sie unterstützen. Und so begann seine Karriere in Regensburg.

Bayerische Werke fördern

Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Umstellung von analog auf digital, die gut 4000 Einreichungen wurden von da ab auf einem Server abgelegt, anstatt als DVDs in einem Büro. "Es gibt immer Möglichkeiten etwas zu verbessern und ich möchte unser Festival so gut wie möglich gestalten", sagt Weber. Automatisierung sei eines der Schlagworte, genau wie Qualitätssteigerung.

Sind die Filme bei der Berlinale mit denen der Kurzfilmwoche Regensburg vergleichbar? "An sich schon, wir zeigen aber mehr", sagt Weber. "Nicht nur im Wettbewerb, sondern auch kuratierte Programme, etwa historische Programme oder Länderschwerpunkte oder Retrospektiven." Die Kuratorin der "Berlinale Shorts" habe eine klare Handschrift, in Regensburg lege man einen anderen Fokus - auch regionale Filme stünden im Mittelpunkt, man wolle bayerische Werke fördern und Filmemachern aus der Region eine Plattform bieten. "Und da gibt es wirklich richtig gute Leute", berichtet Weber.

Er blickt auf sein Smartphone, langsam müsse er aber los, sagt er, eine Filmpremiere würde anstehen. Er hält inne, grinst und winkt einem Mann in weiten Jeans und schwarzem Pulli zu: Florian Scheuerer, ebenfalls ein Regensburger und Initiator der lokalen Filmreihe und Festivals "Hard:Line". Die beiden Oberpfälzer Cineasten tauschen sich kurz aus, verabreden sich dann zu einem Getränk, wenn sie wieder in Regensburg sind. "Das ist das Tolle an der Berlinale, dass man so viele Kollegen und andere Cineasten trifft", sagt Philipp Weber, während er seinen Reiserucksack anlegt und zum nächsten Termin hetzt.

Internationale Kurzfilmwoche Regensburg

Regensburg/Berlin. (cim) Die 24. Internationale Kurzfilmwoche Regensburg findet von 14. bis 22. März in Regensburg statt. Während dieser acht Tage können Cineasten Kurzfilme aus den fünf Wettbewerbskategorien - Internationaler Wettbewerb, Architekturfenster, Deutscher Wettbewerb, Bayernfenster und Regionalfenster - sehen, sowie Workshops oder Partys rund um das Thema Kurzfilm besuchen. Lehrer können sich mit ihren Klassen für ein Schulprogramm, wenn gewollt mit medienpädagogischer Begleitung, anmelden.

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Weitere Informationen:

www.kurzfilmwoche.de

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