04.04.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ostdeutsche Galerie zeigt historische Ansichten der Region aus der Sammlung des Bierbrauers ... Orte aus dem Archiv der Sehnsucht

von Susanne WolkeProfil

Sehnsucht. Nach frischen Wiesen, nach schattigen Wäldern, nach verträumten Städten. Bis ins frühe 20. Jahrhundert hieß das Ziel vieler Sehnsüchte Schlesien. Als beliebte Tourismusregion zog die Gegend zahlreiche Erholungsuchende an. Ein besonderer Anhänger des Landstriches war der Bierbrauer Albrecht Haselbach. Er sammelte Ansichten Schlesiens - Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Kupferstiche und Lithographien. Insgesamt mehr als 4000 Stück. Ein Teil dieser Sammlung ist nun bis 28. Mai in der Ostdeutschen Galerie zu sehen.

Landschaftliche Idyllen

"Archiv der Sehnsucht" lautet der Titel der Sonderausstellung im Regensburger Kunstforum. Gezeigt wird eine Auswahl der Haselbachschen Blätter, die seit 1976 größtenteils in der Ostdeutschen Galerie aufbewahrt werden. Die meisten Ansichten stammen aus dem 19. Jahrhundert. Folglich sind es in erster Linie romantische Darstellungen im wahrsten Sinne des Wortes: landschaftliche Idyllen, allerdings meist mit der richtigen Prise "Erhabenheit". Denn schön, aber auch ein bisschen schaurig sollte es sein in der Romantik, und daher gibt es nur wenige Abbildungen ohne schroffe Felsen oder Burgruinen - oder Fabrikanlagen.

"Das war auch eine Art von Erhabenheit", sagt Dr. Ulrike Lorenz mit Verweis auf die damals populären Bilder von rauchenden Schornsteinen, die meist von den Fabrikbesitzern selbst in Auftrag gegeben wurden. Die Museumsleiterin hat diese biedermeierlichen Ansichten von Schlesien, wo sich sehr früh Schwerindustrie angesiedelt hat, bewusst in ein Spannungsfeld mit den lieblichen Szenerien eines Ludwig Richter gestellt.

Die einzelnen Räume widmen sich noch weiteren Aspekten: dem Riesengebirge, der Stadt Breslau - im 19. Jahrhundert als "die Blume Europas" gerühmt - und der damaligen Herstellung von Grafiken. Hier geht es vor allem um die Massenproduktion von Souvenirblättern für den aufkommenden Tourismus. Ein Tourist war der Urheber dieser Sammlung nicht, zumindest nicht in Schlesien. Die Region war seine Heimat. "Albrecht Haselbach (1892-1979): Bierbrauer, Mäzen, Sammler" beschreibt der Ausstellungskatalog den Kulturbegeisterten. "Ein verrückter Typ", sagt Dr. Ulrike Lorenz über den Exzentriker, der Opern schrieb und in dessen Industriellenvilla zeitgenössische Künstler, darunter auch Otto Dix, ein- und ausgingen.

Gemeinsames Projekt

Die Sammlung Haselbachs entstand in einer Zeit, als das Ende Schlesiens bereits absehbar war: Mitten im Zweiten Weltkrieg erweiterte der Brauereibesitzer seine Bestände noch durch den Ankauf zweier anderer Sammlungen - kurz bevor die Bilder in den letzten Kriegsjahren nach Bayern gebracht wurden. 1976 kam ein großer Teil der Sammlung in die Ostdeutsche Galerie, wo sie nun erstmals gezeigt wird.

Anlass der Schau ist ein gemeinsames Projekt mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz und dem Herder-Institut in Marburg. Im Rahmen einer deutsch-polnischen Kooperation wurde die Sammlung der Schlesienbilder vollständig dokumentiert und digital zusammengeführt. Zwei Ausstellungen - neben Regensburg gibt es eine Parallelausstellung in Görlitz - sind nun der Abschluss des Projekts.

Weitere Informationen:

www.kunstforum.net

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