Premiere des Musical "Cabaret" im Theater Regensburg
Entrümpelt und transparent

Im Musical "Cabaret" durchleben Sally (Maria Danaé Bansen) und Clifford (Matthias Laferi) eine problematische Beziehung. Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
19.03.2018
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Der gebürtige Wiener Regisseur Johannes Pölzgutter zeigt auch am Theater Regensburg, seine ganz eigene Art, Dinge zu beleuchten. Das gilt ebenso für seine jetzige Inszenierung des von John Kander, Joe Masteroff und Fred Ebb im Jahre 1966 geschaffene Musical "Cabaret".

Am Samstagabend feiert das Stück im Velodrom Premiere. In dieser Produktion vernimmt man nicht die ganz große Show mit den üblichen Stolen, Fächern und allem Pomp und Glamour, sondern eine etwas entrümpelte Version, die viel Transparenz zulässt.

Auf den Punkt genau

Pölzgutter bringt die Dinge dadurch sehr unmittelbar auf den Punkt und lässt das Publikum die gut durchdachten Bewegungsabläufe und Handlungsvorgänge hautnah miterleben. Letzteres wird beispielsweise besonders deutlich wenn der Chor der Nazis das Lied "Der morgige Tag ist mein" im Publikum und auf der Galerie direkt hinter den Theaterbesuchern ebenso lautstark wie bedrohlich zelebriert.

Ergreifend wirken unter anderem in dieser minimalistischen Inszenierung die Duette von Obsthändler Schulz und der Vermieterin Fräulein Schneider. Zu dieser beeindruckenden Transparenz tragen aber auch die Kostüme von Janina Ammon und das Bühnenbild von Philip Rubner bei. Gerade letzteres erweist sich als bemerkenswert multifunktional.

Denn die fast monumental wirkende Mauer mit Anlehnungen an den Architekturstil des Nationalsozialismus dient als Pension des Fräulein Schneider und als Zugabteil ebenso überzeugend wie als Cabaret-Bühne und bedrohliche Nazi-Kulisse.

Treffende Besetzung

Alle Rollen der Bühnenakteure sind in dieser Produktion treffend besetzt. Im Besonderen gilt das für Adrian Becker, der als Conférencier nicht nur schauspielerisch, sondern auch gesanglich beeindruckt. Aber auch Maria-Danaé Bansen als Sally, Matthias Laferi als Clifford, Ruth Müller als Fräulein Schneider, Peter Nüesch als Herr Schultz, Angelo Pollak als Ernst Ludwig, Martina Fender als Fräulein Kost sowie alle anderen Bühnenakteure inklusive dem von Alistair Lilley wieder einmal hervorragend einstudierten Chor tragen zum hohen Niveau der Produktion bei.

Das gilt ebenso für die Tänzerinnen und Tänzer, welche die originelle Choreographie von Tamás Mester ausdrucksstark und leidenschaftlich umsetzen. Selbiges kann man auch dem Orchester unter der Leitung von Allistair Lilley bescheinigen, das nie den Groove und Swing vermissen lässt und die Spannungsbögen emotional auslotet.

Kein Wunder, dass der Schlussapplaus am Premierenabend im ausverkauften Theater im Velodrom intensiv und anhaltend ist.
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