30.01.2016 - 02:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Regensburger drehen den Film "Der Verein, der Metzger und der Tod" Kettensäge und Kunstblut

Es ist ein bisschen so, als hätte es Quentin Tarantino in die bayerische Provinz verschlagen. Denn der No-Budget-Streifen "Der Verein, der Metzger und der Tod" wirkt so, als hätten die Regensburger Filmemacher eine Kunstblut-Flatrate abgeschlossen.

Ein Mann mit Schafskopf, Traumsequenzen und der tragische Held Hans Notz (Hans Schröck, rechts) - der Streifen ist in jedem Fall abgedreht.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Von Christopher Dotzler

Der Film, der seit kurzem auf DVD erhältlich ist, ist ganz und gar ungewöhnlich. Einerseits gibt es da diese Schauplätze, die sich in jedem x-beliebigen 500-Seelen-Dorf in der Oberpfalz verorten ließen. Das Sportheim, in dem die Bewohner der fiktiven Kleinstadt Randsperg sich volllaufen lassen. Oder der Friseurladen, in dem sich Dorftratschn ihre Mäuler zerreißen. Aber da sind auch der Metzger, der qualvoll durch den Fleischwolf gedreht wird. Und der tragische Held Hans Notz, der lustvoll durch literweise Kunstblut tänzelt, das in alle Richtungen platscht und spritzt.

Dabei ist "Der Verein, der Metzger und der Tod" mehr als nur eine blutige Provinzposse. Der Film ist als Parodie auf Kleinbürgerlichkeit, Vereinsmeierei, Neid und all den falschen Ehrgeiz zu verstehen. Die Figuren sind etwas überzeichnet, was wohl auch gewollt ist. Dennoch sind sie im Prinzip Abziehbilder von so vielen Dorf- und Kleinstadtbewohnern. Oder wie ein Kinogast zu Drehbuchautor Klaus Schwarzfischer gesagt hat: "Schwafi, dass ist kein Spielfilm. Das ist eine Dokumentation, wie es in Vereinen zugeht."

Abgedrehter Grunzer

Im Film steht die SpVgg Randsperg im Fokus, die wie durch ein Wunder den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga schafft. Dem Wunder hilft allerdings der Testosteron-strotzende Vereinssponsor Charly (Karl-Heinz Mierswa) mit unsauberen Methoden nach. Etwa wenn er dem Schiedsrichter in der Halbzeitpause einen Kugelschreiber in die rechte Hand rammt und der vermeintlich Unparteiische den Randspergern ein Elfmeter-Geschenk nach dem anderen macht. Für die Gegner hagelt's hingegen Rote Karten.

Das freut vor allem den Vereinspräsidenten Grunzer, der seinen Namen daher hat, weil er - nun ja - ständig grunzt. Sehr beleibt, durch und durch korrupt und sehr abgedreht bekommt der Zuschauer schnell eine Antipathie gegen den Grunzer. Was auch als Lob für Darsteller Günther Brenner zu verstehen ist. Er ist im Film der einzige, der ausschließlich durch Schauspielern sein Geld verdient. Zwar haben alle Darsteller laut Schwarzfischer Bühnen- oder Filmerfahrung. Dennoch haben viele auf die Gage teilweise oder ganz verzichtet. Der Autor hat für das Drehbuch auch nichts verlangt, obwohl die Vergütung laut ihm bei 15 000 bis 30 000 Euro liege. Dritte, und wohl tragischste Hauptfigur ist Vereinskassier Hans Notz (Hans Schröck). Zuerst verschwindet seine Tochter. Es dauert nicht lange, bis ihre Leiche gefunden wird. Dann erhängt sich auch noch seine Frau Martina (Kirstin Rokita), die später in einer Traumsequenz wieder auftaucht. Nach vielen weiteren Demütigungen und Rückschlägen, macht sich Notz mit der Kettensäge auf, um für Gerechtigkeit zu sorgen.

Mehr als ein Splatter

Für schwache Nerven ist das definitiv nichts. Schwarzfischer hat mit diesem Film viele Leute geschockt. Auch in seinem engen Freundeskreis, verrät er. Sicher richtet sich die Groteske an Menschen mit speziellem Humor. Der Streifen ist aber mehr als nur ein Splatter. Zum einen ist er eben eine Persiflage auf das Kleinbürgerliche. Zum anderen sagt Schwarzfischer: "Das Brutale kann jeden treffen. Und wenn er sich noch in so einer kleinen Welt vergräbt."

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