13.11.2006 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Regensburger Figurentheater startet die Saison mit Musicals, Märchen und Molière Die Puppen tanzen für Groß und Klein

von Susanne WolkeProfil

Manche Kinder beneiden Heinz Polkehn ein bisschen. "Du hast es schön", sagen sie zu ihm. "Du darfst bei den Marionetten wohnen." Auch Polkehn selbst findet, dass er es gut getroffen hat. Als "einen dieser glücklichen Augenblicke im Leben" bezeichnet der Mann mit dem geflochtenen Schwänzchen im Nacken den Novembertag im Jahr 1980, an dem alles anfing. Damals gründete Polkehn mit seiner Partnerin Evi-Maria Robl ein Puppentheater. Seit 1985 hat das "Regensburger Figurentheater" seinen festen Sitz im Stadtpark. Nach der Sommerpause hat nun wieder die neue Spielzeit begonnen.

Liebevoll ausgedacht

Polkehn und Robl sind im Figurentheater zu Hause. Nicht nur, dass die beiden direkt über dem Aufführungsraum wohnen. Jedes einzelne Detail hier haben sie sich liebevoll ausgedacht und selbst verwirklicht: Zunächst natürlich die Puppen, die sie selber entwerfen, schnitzen und einkleiden. Aber auch die Theaterkasse mit ihrem eigenen kleinen Fenster für Kinder, die Eintrittskarten, deren Bilder man ausschneiden und als Geschenkanhänger verwenden kann, und die Stühle in sechs verschiedenen Größen.

"Das Wichtigste ist, dass sich die Kinder wohl fühlen", betont Polkehn. Schließlich richten sich die meisten Stücke aus dem Repertoire des Figurentheaters an ein jüngeres Publikum. Dies gilt auch für die diesjährige Neuinszenierung: Seit Anfang November zeigt die Bühne im Stadtpark neben altbewährten Produktionen auch "Drei kleine Schweinchen". Das Stück orientiert sich an dem englischen Märchen aus dem 19. Jahrhundert. Die Handlung kennt fast jedes Kind - und das ist ein wichtiger Punkt: Denn gemäß Polkehns Erfahrung wollen Kinder Märchen möglichst original sehen.

Es ziehen also drei Schweinchen in die Welt hinaus. Jedes baut sich ein Haus, das erste aus Stroh, das zweite aus Holz und das dritte aus Stein. Aber nur das dritte Schweinchen, das sich dem Hausbau am fleißigsten und am vorausschauendsten widmet, ist in seinem soliden Heim vor den Angriffen des Wolfes sicher - und besiegt diesen schließlich.

Bewusst haben Polkehn und Robl hier nicht die abgeschwächte Version des Märchens gewählt, in der die ersten beiden Schweinchen zu ihrem vernünftigen Bruder fliehen. Der Anblick der Schweinchen, die vom Wolf gefressen werden, bleibt den Kindern zwar erspart. Aber die zwei leichtsinnigen Ferkel entrinnen ihrem Schicksal genauso wenig wie der böse Wolf, der letztendlich ein schlimmes Ende findet.

"Wir wollen die Kinder nicht erschrecken", äußert sich Polkehn hierzu. "Aber es geht uns darum, den Inhalt des Märchens zu transportieren." Und das Leben sei eben nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen: "Man muss sich rechtzeitig um etwas kümmern."

Auch Eigenproduktionen

Neben Märchen hat das Regensburger Figurentheater auch Stücke nach Kinderbüchern im Programm. Zu den erfolgreichsten gehören "Das Traumfresserchen" nach einem Kinderbuch von Annegert Fuchshuber und "Ich mach dich gesund, sagte der Bär" von Janosch. Auch etliche Eigenproduktionen begeistern das Publikum schon seit Jahren. So etwa "Sonne, Mond und Mäusespeck" oder "Die Insel der Pinguine". Beide Stücke sind Musicals für Marionetten - "eine Besonderheit unseres Theaters", so Polkehn.

Daneben gibt es reine Erwachsenenstücke. Diese Saison laufen unter anderem der bayerische Klassiker "Der Brandner und der Boandlkramer" sowie Molières "Der eingebildet Kranke" - ebenfalls auf bayerisch.

Kontakt: Regensburger Figurentheater im Stadtpark, Dr. Johann-Maier-Straße 3, 93049 Regensburg. Kartenreservierung unter Telefon. 0941/28328.

Weitere Informationen:

www.RegensburgerFigurentheater.de

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