07.08.2008 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Regensburger Kunstverein GRAZ bezieht sein neues Domizil in der Schäffner Straße - Räume mit ... Vom Handwerkerbetrieb zur Kunstschmiede

von Susanne WolkeProfil

Es war eine Werkstatt, und das wird es auch in Zukunft bleiben. Wenn auch auf andere Art. Denn was in den Räumen der ehemaligen Schlosserei Steidl fortan produziert werden soll, ist Kunst. Mit erweiterter Mannschaft ist der Kunstverein GRAZ momentan dabei, das Anwesen zu einer Werkstatt der Kreativität umzugestalten. Nach dem Umzug aus der Ladehofstraße soll das neue Domizil am 8. August eröffnet werden.

Verwinkelte Räume, steile Treppen, knarrende Holzdielen, Milchglasfenster: Die Räume, die sich in der Schäffner Straße 21 um einen Innenhof verteilen, verströmen noch die Atmosphäre der 50er-Jahre-Werkstatt. Neu sind die Farbtuben, die Leinwände und der Stofftiger, die die ehemaligen Schlosserwerkzeuge nun nach und nach aus den Lagerregalen verdrängen. Doch auch wenn die Räume derzeit entkernt werden: "Der Charme des Ambientes soll erhalten bleiben", hält Jürgen Huber fest. "So alte Handwerksstätten gibt es heute kaum mehr", fährt der GRAZ-Vorsitzende fort. Für die meisten sei das "altes G'lump", das man am besten wegreißt.
Eine Ansicht, die weder die Mitglieder des Kunstvereins GRAZ teilen, noch Walpurga Steidl. Die Besitzerin des Anwesens freut sich, den ehemaligen Familienbetrieb nun in guten Händen zu wissen. Fünf Ateliers werden in der ehemaligen Schlosserei nun eingerichtet. Im Vordergrund stehen für Jürgen Huber und sein Team aber die geplanten Ausstellungen.

"Kein Künstlerhaus"

"Auch wenn die Möglichkeit besteht, sich die Ateliers vor Ort anzuschauen: Wir begreifen uns nicht als Künstlerhaus", betont der GRAZ-Vorsitzende. "Wir sind in erster Linie ein Kunstverein mit einem modernen Verständnis des Kunstbegriffs." Dieser Vorstellung des "Crossover", die sich nicht auf die klassischen Genren der Kunst begrenzt, dürfte die neue Besetzung des Kunstvereins GRAZ gerecht werden. Neben den "Urgesteinen" Jürgen Huber, Gisela Bender und Christian Havlicek gibt es eine ganze Reihe neuerer Mitglieder. Und die kommen aus den verschiedensten Sparten: Da ist einerseits Franz Pröbster Kunzel, "der Naturkünstler". Der Discjockey und Autor Säm Wagner dagegen bezeichnet sich selbst als "Musik-und Popkultur-Verrückter". Und während sich die junge Schriftstellerin Eva Karl auf ihre ruhige Schreibstube freut, ist Albert Plank fest entschlossen, den Bereich des Field-Recording, der Klangskulptur, in Regensburg noch mehr zu etablieren. Der Maler Rayk Amelang, der Videokünstler Sigurd Roscher, Marian Mure aus dem Bereich des Puppentheaters und Renate Christin, Regensburger Künstlerin mit internationalen Kontakten, ergänzen die bunte Truppe.

Junge Talente halten

Und Florian Toperngpong: Der frisch aus Berlin in seine Heimatstadt zurückgekehrte Künstler und Schauspieler gleicht in der Donaustadt einem Licht der Hoffnung. Denn: "Wir können nicht alle Künstler hier in Regensburg halten", bedauert Jürgen Huber. "Der Markt ist eher schlecht, und junge Talente gehen oft weg, obwohl sie vielleicht lieber bleiben würden." GRAZ könnte hier eventuell eine Gegenposition setzen. Das Programm für das restliche Jahr jedenfalls gibt sich urban: Einer Ausstellung über Graffiti und Streetart folgt eine Schau zum Thema Comics. Nach einer dritten Ausstellung, die sich im weitesten Sinne mit Plattenlabels beschäftigt, wird das Jahr schließlich mit der traditionellen GRAZifikation abgeschlossen.

Weitere Informationen im Internet:

www.kunstvereingraz.de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.