17.06.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Regisseur Matthias Reichwald begeistert am Theater Regensburg Mozarts Meisterwerk ideenreich aufgefrischt

Wenn man sich die Biografie von Matthias Reichwald anschaut, so fällt auf, dass sich der 1981 geborene Regisseur bisher vor allem als Schauspieler einen Namen gemacht und noch nicht viele Inszenierungen geschaffen hat.

Pamina (Viktorija Kaminskaite) und Sarastro (Mario Klein) in einer Szene der neuen Regensburger Inszenierung der "Zauberflöte. Regisseur Matthias Reichwald brilliert mit endlosen Ideen. Bild: Jochen Quast
von Stefan RimekProfil

Von Stefan Rimek

Allerdings arbeitete er bereits an namhaften Bühnen wie dem Deutschen Nationaltheater in Weimar oder am Staatsschauspiel in Dresden. Nun also zeigt der junge Regisseur auch in Regensburg sein großes Talent: Seine Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte" im Theater am Bismarckplatz strotzt vor kreativen Einfällen und bewegt sich in einer bis ins letzte Detail gut durchdachten Mischung aus traditionellen und modernen Inspirationen.

Unzählige Ideen

Man kann hier gar nicht alle raffinierten Feinheiten und originellen Einfälle nennen, welche dieser Inszenierung dramaturgische Qualität, Humor und hohen Unterhaltungswert gleichermaßen verleihen. Eine hervorragende Idee ist beispielsweise die Einführung von "drei Wesen", welche in hautengen Kostümen geisterartig mit den Protagonisten über Mikrofone flüsternde Dialoge führen und somit das Spektrum bereichern, ohne die Substanz des Librettos von Emanuel Schikaneder zu gefährden.

Die "drei Knaben" als kleine Mozarts auftreten zu lassen, inklusive Rokoko-Gehrock und wilder Künstlerfrisur, regt ebenso zum Schmunzeln an wie das einheitliche Outfit der Geheimbund-Mitglieder, das sich als köstliche Mischung aus Andy Warhol und Heino präsentierte.

Die drei Geharnischten kommen als Priester daher, in deren Hüten ein heiliges Feuer brennt, und auch das Kostüm der Königin der Nacht, das etwas an die Freiheitsstatue erinnert, besitzt viel Aussagekraft. Hier muss man Ausstatter Toto ein großes Kompliment machen. Das gilt auch für das Bühnenbild, das geschickt die Drehbühne einsetzt und mit feierlichen Kulissen, die aber das Pathos nie ins Kitschige übertreiben, fesselnde Atmosphären schafft. Hierzu gehört auch die stimmungsvolle Beleuchtung.

Sieht man einmal von den sehr tiefen Passagen ab, in welchen Mario Klein als Sarastro an diesem Premierenabend stimmlich etwas dünn wirkte, so kann man allen Bühnenakteuren viel Lob aussprechen. In besonderem Maße gilt das für Aurora Perry, die als Königin der Nacht ihre Koloraturen beeindruckend exakt, intonationsrein und dennoch gefühlvoll über die Bühne bringt.

Lob in die Runde

Aber auch Yinjia Gong als Tamino, Viktorija Kaminskaite als Pamina, Julia Zhukovska-Fischer als Papagena, der mit alpinem Charme agierende Matthias Wölbitsch als Papageno, die drei Domspatzen Julius Fischer, Lilian Brandscherdt und Marc Pritschet als die "drei Knaben", der von Alistair Lilley hervorragend einstudierte Chor und das von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban einfühlsam geleitete Orchester trugen zu dieser beeindruckenden Premiere bei, die vom Publikum im ausverkauften Theater mit Recht lang und intensiv bejubelt wurde.

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Die nächsten Vorstellungen: 18., 23., 25. und 30. Juni jeweils um 19.30 Uhr. Karten unter Telefon 0941/507-2424.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.theater-regensburg.de

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